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Fotokünstler Thomas Kellner: Nicht der Apparat, der Mensch macht’s

Linnich. Wenn ein Bild tatsächlich mehr als 1000 Worte sagt, dann sprechen die Werke des Fotokünstlers Thomas Kellner Bände. Denn seine Kompositionen bestehen aus Dutzenden, ja Hunderten von Einzelbildern, die in strenger Rasterung ein großes Ganzes er-geben. Ob er das Brandenburger Tor in Szene setzt, das Capitol in Washington, die Golden Gate-Bridge oder das Colosseum, stets arbeitet der 4. Träger des Kunstpreises des Kreises Düren nach einem Plan. Denn er schnippelt sich nicht etwa nachträglich eine Collage zurecht, sondern fotografiert sein Motiv Bild für Bild in Ausschnitten. Indem er die Kamera immer wieder neu ausrichtet, entstehen am Ende jene Filmstreifenteppiche mit den für Thomas Kellner so typischen „tanzenden Wänden“.
Es sind oft altbekannte Bauwerke, die er dem Betrachter ganz neu vor Augen führt. Mit dieser Technik hat er nicht nur die Kunstpreis-Jury unter Vorsitz von Landrat Wolfgang Spelthahn überzeugt, sondern Kunstfreunde in aller Welt. „Sie sind ein Global Player. Um diese Ausstellung zu verwirklichen, mussten ihre Werke aus zahlreichen Galerien und von Sammlern herbeigeschafft werden“, stellte der Landrat fest, als er jetzt die Schau „Farb-Welt 135-36“ mit rund 40 der wichtigsten Werke Kellners im Deutschen Glasmalereimuseum in Linnich vor über 150 Gästen eröffnete. Die Einzelausstellung samt dem dazugehörigen Katalog ist Bestandteil des Kunstpreises, der somit mit 10.000 Euro dotiert ist.
Warum der im Kreis Düren aufgewachsene und heute in Siegen lebende und arbeitende Kellner die Auszeichnung verdient hat, arbeitete Prof. Dr. Frank Günter Zehnder, Direktor der Internationalen Kunstakademie Heimbach und Sprecher der Jury, vor den Gästen heraus. „Das Konzept und die Kunst von Thomas Kellner gehen einen wichtigen Schritt in innovatives Gelände“, attestierte er dem Fotokünstler in seiner Einführung zur Ausstellung unter der Überschrift „Nicht der Apparat, der Mensch macht’s“. Zehnder erinnerte an die tägliche Bilderflut und betonte, dass Kellner nicht weitere Abbilder schafft, sondern eine neue, eine zweite Schicht von Wirklichkeit. „Die Bilder von Thomas Kellner sind immer vieldeutig“, bescheinigte er ihm, uns mit seinen Kompositionen völlig neue Seiten der Fotokunst zu zeigen und letztlich die Frage nach der Wahrnehmung schlechthin zu stellen.
Trotzdem erschließt sich Kellners Kunst jedem Betrachter. „Faszinierend, wie dieser Mann das macht“, staunte Wemy Horn-Jager auf dem Weg, sich ihren Katalog vom Künstler signieren zu lassen. „Ich bin glücklich, meine Arbeit hier an diesem schönen Ort in Wechselbeziehung zur Glaskunst präsentieren zu dürfen. Dass mir dieser Preis vom Kreis Düren verliehen wird, wo ich meine Wurzeln habe, macht ihn noch schöner“, sagte Kellner.
Der „Global Player“ reiste direkt nach der Eröffnung nach Houston/Texas. Einen Teil seiner Ausstellungskataloge wird er mitnehmen und sie in der dortigen Galerie signieren. 200 der 750 Exemplare seien noch zu haben.
Die Ausstellung im Glasmalereimuseum ist bis zum 25. April zu sehen. Vor Kellner waren Volker Saul, Julia Seidensticker und Dr. h.c. Herbert Falken mit dem von der Sparkasse Düren geförderten Kunstpreis des Kreises ausgezeichnet worden. „Kunst und Kultur sind unverzichtbare Bestandteile unseres Lebens“, unterstrichen Landrat Wolfgang Spelthahn und Käthe Rolfink, Vorsitzende des Kreis-Kulturausschusses, den grundsätzlichen Stellenwert der Kreativität.