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Kreis Düren. Nach Volker Saul, Julia Seidensticker und Dr. h.c. Herbert Falken ist der in Siegen lebende Fotokünstler Thomas Kellner der vierte Träger des Kunstpreises des Kreises Düren. Mit seiner collageartigen Architekturfotografie hatte er sich gegen 38 Mitbewerber durchgesetzt. Im Rahmen einer Feierstunde erhielt er jetzt im Kreishaus Düren den mit 5000 Euro dotierten Preis aus Händen von Landrat Wolfgang Spelthahn und Käthe Rolfink, Vorsitzende des Kreis-Kulturausschusses. Zu dem seit 2003 verliehenen Preis gehört überdies eine Einzelausstellung, die im Frühjahr 2010 im Deutschen Glasmalereimuseum in Linnich stattfinden wird. Der dazugehörige Katalog wird – ebenfalls mit Unterstützung der Sparkasse Düren - mit weiteren 5000 Euro gefördert. „Wir sind stolz, nach dem einstimmigen Juryurteil erneut einen herausragenden Künstler auszeichnen zu können“, sagte Landrat Wolfgang Spelthahn, als er Thomas Kellner die transparente Trophäe überreichte.

Thomas Kellner, geboren in Bonn, ist im Kreis Düren aufgewachsen, erwarb sein Abitur am Gymnasium am Wirteltor, ehe er studienhalber nach Siegen zog, wo er heute als Künstler arbeitet, wenn er nicht in aller Welt unterwegs ist, um bekannte Bauwerke nach einem minutiösen Plan abzulichten. Die Wurzeln seiner Karriere liegen also im Kreis Düren. Käthe Rolfink zeichnete seinen Lebensweg nach und erinnerte an seine Förderer, darunter Prof. Walter Dohmen und Herbert Falken, der den Kunstpreis des Kreises Düren 2007 für sein Lebenswerk bekommen hatte.

Dass sich das Werk des Gewürdigten „glänzend dem hohen Niveau der drei vorhergehenden Preisträger anreiht“, unterstrich Prof. Dr. Frank Günter Zehnder, Direktor des Rheinischen Landes Museums Bonn a.D., Kunsthistoriker und Jurymitglied, in seiner ausgefeilten Laudatio. „Werke und Arbeitsweise von Thomas Kellner sind außergewöhnlich, sie beanspruchen mit Recht in der weltweiten Fotoszene ein Alleinstellungsmerkmal. Obwohl die Werke formal und intellektuell sehr anspruchsvoll sind, bleiben sie für jedermann lesbar und damit zugänglich. Es ist eine Kunst, die den Menschen erreicht, indem sie den Blick fesselt.“

Kellners Kunst besteht darin, weltbekannte Bauwerke – etwa das Brandenburger Tor - neu zu „erfinden“. Aus bis zu 1296 Einzelbildern eines Objekts komponiert er ein kaleidoskopartiges neues Ganzes, das beim Betrachter eine „recherchierende Neugier“ weckt. Zehnder erinnerte an die heutige Bilderflut, die dazu führt, dass wir vieles nur flüchtig, vordergründig und oberflächlich wahrnehmen. Diesem „unterschiedslosen Bilderkonsum“ tritt  Thomas Kellner entgegen – mit vielen Einzelbildern. „Im Ergebnis ist aber nichts Abbildung, sondern alles Komposition“, unterstrich Zehnder die Autonomie des Künstlers. Am Brandenburger Tor, einem weltweit verbreiteten, fast ikonenhaften Postkartenmotiv, verdeutlichte er, dass ein Fotoapparat entgegen der gängigen Meinung grundsächlich keine objektive Realität festhalte. Das mache Thomas Kellner dem Betrachter mit seinen Werken geradezu blitzartig bewusst. „Sie stehen in der Tradition des Faches, sind aber auf ungewöhnliche Weise innovativ. Seine Bilder wecken die Fragen und die Beteiligung der Betrachter.“

Und zwar weltweit. Denn seine „Tanzenden Wände“ waren schon in vielen Metropolen, darunter New York, Los Angeles, Boston, Chicago und London, zu sehen.