Hornung, Georg

Georg Hornung, Weiden, Germany

1951
geboren in Glauchau / Sachsen

1969 – 1975 Leipzig
Abitur, Lehre als Gärtner
naturwissenschaftliches Studium an der Universität Leipzig, Abschluss als Diplom-Chemiker
Beginn der autodidaktischen künstlerischen Entwicklung

1975 – 1981 Glauchau (Sachsen)
Fotografien, Zeichnungen, Druckgraphik
                     
1981 – 1989 Meißen
Abteilungsleiter für Drucktechnik und Reproduktion im Wissenschatlich-Technischen Betrieb Keramik Meißen
Mitglied im Verband Bildender Künstler der DDR [VBK]  
experimentelle Fotoarbeiten, Fotomontagen, serielle Fotoarbeiten,
Kulturakademie Rudolstadt: Weiterbildung zum Kursleiter für Fotografie

Februar 1989: Ausbürgerung aus der DDR
                 
seit 1989 Weiden/Opf.
Mitglied im Berufsverband Bildender Künstler [BBK]
freiberufliche Tätigkeit als Fotograf
fotoexperimentelle Bildserien, analoge und digitale Fotokunst
fotokünstlerische Firmenaufträge
seit 2004: Kunstprojekt Virtuelle Installationen

seit 2010 Berlin / Weiden

Weiterführung des Projektes Virtuelle Installationen
Projekt Experimentelle Morphologie (3D-Objekte)
georg-hornung.com

Dozent für digitale Bildbearbeitung (GIMP, Photoshop)
und 3D Gestaltung (Blender)
an mehreren Volkshochschulen in Berlin, sowie an privaten Bildungseinrichtungen

Florale Deformation

Ein grüner Faden zieht sich durch das fotokünstlerische Werk Georg Hornungs: geprägt durch die Kindheit in der elterlichen Gärtnerei und durch die spätere freizeitliche Beschäftigung mit Theorie und Praxis der Botanik ent-stehen immer neue experimentell-fotografische Bildserien deren Themen um eine zeitgemäße Darstellung pflanzlichen Lebens kreisen. Dabei geht es ihm in seinen künstlerischen Arbeiten jedoch niemals um die reine fotografische Abbildung von Pflanzen in ihrer natürlichen Schön-heit. "Entwurzeltes Gewächs", "Verlorene Blüten" und "Vertrocknende Rose" - Bildtitel aus den acht-ziger Jahren - belegen bereits die Auseinandersetzung mit der gegenwärtig hochaktuellen Problematik der Beeinflussung und Gefährdung pflanzlichen Lebens durch menschliche Aktivitäten, schließen bei aller floralen Ästhetik Wandlung und Vergängnis ein.

Auch die fototechnische Herangehensweise und Realisierung von Hornungs Pflanzenbildern ent-spricht nicht den üblichen fotografischen Bilderwartungen: in der Werkphase der manuellen Foto-montagen wurden Schwarzweiß-Fotografien von Pflanzen zerrissen und zerschnitten und auf neue Weise wieder zusammenkomponiert, im Bildzyklus ARBOFAKTE entstanden montierte Symbiosen zwischen verschiedenartigen Baumstämmen und architektonischen Fragmenten, in der Serie HERBARIUM wurden Wildkräuter als verschwommene und scheinbar in der Auflösung begriffene negative Abbilder auf Filmabschnitte kopiert und die Serie LICHTWESEN zeigt raffiniert hergestellte Fotogramm-Unikate von Pflanzen auf Schwarzweiß-Fotopapier

Die Arbeiten aus der Serie FLORALE DEFORMATION entstanden ähnlich wie die in der Dunkel-kammer erzeugten Fotogramme ohne die Verwendung von Kamera und Film: es sind Scanno-gramme, bei denen ein Flachbettscanner, speziell präpariert und umgebaut, als Aufnahmeapparat Verwendung fand. Im Unterschied zum Fotogramm, das durch die Entstehung eines negativen Schattenbildes stark verfremdende Wirkung erzeugt, ist das Scannogramm der durch eine Kamera erzeugten Fotografie ähnlicher und bildet den aufgelegten Gegenstand als Positiv, in Farbe und detailgetreu ab. Die Entscheidung für den Scanner als Kamera der besonderen Art erfolgte aus Interesse an der Prozessähnlichkeit zwischen Foto- und Scannogramm: der Prozedur des passenden Auflegens der Objeke und des Ablichtens in dirketem Kontakt mit der lichtempfindlichen Schicht bzw. den optisch abtastenden Sensoren.

Thematisch knüpfen die FLORALEN DEFORMATIONEN an frühere Bildserien an: Blüten und Blätter werden nicht im Augenblilck ihrer höchsten Schönheitsentfaltung abgebildet, sondern in den Über-gangszuständen des Verwelkens, Vertrocknens und Verblühens oder der Samenbildung. Solchen Zwischenstufen des Seins, den Umwandlungsstationen zwischen Werden und Vergehen gilt Hornungs Interesse, wenn er Parks und Gärten, Wiesen und Wälder durchstreift. Dort wo die bio-logischen Aufgaben erfüllt scheinen und die Lebensprozesse ihren Wesen die Spuren des Alterns aufprägten findet der Künstler seine Bildaufgaben, erkennt er in der Auflösung der Formen bildbedeutsame Werte und fotografiert, was in der Regel unbeachtet bleibt.

Die Abbilder der bis dahin lediglich auf natürlichem Wege deformierten botanischen Objekte erhalten nun, auf dem Bildschirm erscheinend und im digitalen Bearbeitungsprogramm gefangen eine sensibel gesteuerte elektronische Deformation, die sich der natürlichen überlagert. Und was in traditioneller Fotobearbeitungstechnik aufwendige Kopierarbeiten erforderte erledigt hier ein kurzer Tastaturbefehl: die Umwandlung eines Bildes in sein Negativ.

Die fertigen Fotoarbeiten der FLORALEN DEFORMATION bestehen aus übereinander angeordneten und seitenverkehrten Positiv-Negativ-Bildern von Pflanzenteilen. Blätter, Blüten und Samenstände, vertrocknet, verblüht und morphologisch verändert, sind ihrer natürlichen Umgebung entnommen worden und vor einem bedeutungsfreien Hintergund einzeln, paarweise oder gruppiert angeordnet. Dem Unscheinbaren und Wertlosen dieser botanischen Fundstücke wird durch den Künstler eine letzte Bedeutung zuteil: abgetastet vom Laserstrahl und in binäre Codes umgewandelt gelingt eine von der Natur nicht vorgesehene Metamorphose.“

Georg Hornung, fotografische Selbstauskünfte zum Werk, 2003

collections

Städtische Kunstsammlung Dresden
Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Kupferstichkabinett
Brandenburgische Kunstsammlung Cottbus
Kunsthalle Hamburg, Kupferstichkabinett
Schweizer Stiftung für Fotografie, Zuürich
Kunstsammlung der Sparkassenzentrale Regensburg
Städtische Galerie Regensburg „Leerer Beutel“
Museum of Modern Art Rio de Janeiro, Brasilien, The Joaquim Paiva Collection
Sammlung Das kleine Format, Kunsthaus Lu?beck
Private Kunstsammlungen in Europa und den USA

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