Group Exhibitions

Thank you for permission to © Werner Schnell, Siegen

Schräg drauf
May 07 – 31, 2015
Staedtische Galerie Haus Seel, Siegen, Germany


exhibiting artists: Jochen Dietrich, Helmut Geis, Renate Hahn , Günter Hähner, Thomas Kellner , Kai Uwe Körner, Dago Koblenzer, Stella Kown-Mockenhaupt, Michael Müller, Petra Oberhäuser, Bruno Obermann, Helmut Riekel, Michael Schumann, Ingo Schultze-Schnabl, Stefanie Theis.
Staedtische Galerie Haus Seel, Siegen

“Kellner's kaleidoscopic, fairytale buildings thus inject new life into timeworn tourist shots in an aesthetically arresting and technical conscious way.” Bangsund-Pedersen, Ditte Maria, Tango Metropolis. Thomas Kellner. Cegielska, Beate 2005 Galleri Image, Aarhus, Denmark, last page

Thomas Kellner Collagen 2013

Thomas Kellner Collagen 2013

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WAZ-online

Der schwarze Plüschpanther, der im Untergeschoss von Haus Seel majestätisch auf einem weißen Bettvorleger thront, ist schräg drauf. Eng eingewickelt in schwarze Gummibänder weckt das Kuscheltier widersprüchliche Assoziationen im Spektrum zwischen Kinderzimmer und Fetischparty; und dass in seinem Blickfeld noch ein Teddybär in Kreuzigungspose von der Decke hängt, ebenfalls in schwarzes Gummi eingewickelt, macht die Sache nicht weniger gruselig.

Vor allen Dingen aber: nicht weniger spannend. „Schräg drauf“ heißt die Ausstellung, in der 16 Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Siegerländer Künstlerinnen und Künstler (ASK) ab Donnerstag, 19 Uhr, im Haus Seel Arbeiten zeigen. Die „Gummitiere“ mit SM-Chic, bei denen man nicht weiß, ob man sie bemitleiden oder ob ihrer freigeistigen Offenheit bewundern soll, stammen von Petra Oberhäuser. Die ist auf jeden Fall schräg drauf. Und damit im Haus Seel in bester Gesellschaft.

Aus dem Rahmen gefallen
Die Gemeinschaftsausstellung ist Teil des Siegener Kunstsommers 2015. Die ASK hat das titelgebende Motto „Schräg drauf“ von so ziemlich jeder Seite aus aufgegriffen – formal, mental, emotional. Nähe zur Grenzüberschreitung – von beiden Seiten –, das Durchgeknallte, das Durchgedrehte, das völlig Unkonventionelle sind in der modernen Kunst zentrale Momente. Originalität ist also in einer Ausstellung mit zeitgenössischen Werken zwangsläufig nicht sonderlich originell; aber auf dem Niveau, dass die ASK bietet, ist sie gleichwohl überraschend und inspirierend.

Ingo Schultze-Schnabl etwa zeigt 18 Bilder, die jeweils hinter Glas in je drei Einzelteile zerlegt sind, gleich zwei Mal: Einmal auf einem Übersichtsbogen, überschrieben mit der Frage „Wo sind Ihre Helden?“, einmal direkt nebendran an der Wand. Und davor. Da nur ein kleiner Ausschnitt der Originale aufgehängt ist, der Rest aber darunter steht wie eine salopp aufgereihte Schallplattensammlung, müsste der Betrachter die Bilderrahmen berühren und durchblättern, um alles im Original zu sehen. Nicht nur das: Schultze-Schnabl würde sich sogar freuen, wenn Besucher Bilder seines Arrangements abhängen und neue aufhängen, nach eigenem Geschmack. immerhin sind „Heldenorte“ zu sehen, verfremdet gemalt. Welches Motiv darf es also sein? „Dom“? „Netzwerk“? Das US-Flaggen-Foto aus „Iwojima“?

Dago Koblenzer aktualisierte für die Ausstellung eine Arbeit aus dem Jahr 2005. An einen dünnen, langen Holzstamm sind verschiedene Sitzflächen und eine Lehne montiert. Für einen Stuhl ist die Konstruktion schräg – erst recht, weil sie von einer anderen Seite betrachtet wie eine Figur aussieht, die auf dünnen Beinen durch die Welt stakst. Eine eindeutig weibliche Figur übrigens, wie ein Blick den Bereich nahelegt, der aus dieser Perspektive dem Becken entsprechen dürfte.


Stephanie Theis nennt ihre Installation „S-W bleibt“. Sie fällt dabei aus dem Rahmen, Theis hat das wörtlich genommen: An der Wand hängen leere, schwarze Rahmen, auf dem Boden davor liegen bemalte, bunte Leinwände, wie zu Boden geglitten. Rechts außen aber gibt es noch zwei kleine Leinwände an der Wand, rahmenlos, die eine schwarz, die andere weiß.

Familienbande
Michael Schumann holte sich für eine seiner Arbeiten Unterstützung. Sein fünfjähriger Enkel beteiligte sich an einem großformatigen Acrylbild in weiß und schwarz. Der Enkel gab dem Werk auch den Titel: „Mäuseritterburg“. Schräg: „Ich würde nie auf so einen Titel kommen“, sagt Schumann.

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Florian Adam