Publications

2000

  2000 Histoire (presque) vraies  Profifoto, 2000  11-Loch-Arbeiten, Glueher, 2000  2000 BFF-Junioren, 2000  2000 Grosse Kunstausstellung NRW  Kodak-Newsletter, 2000  Amateur Photography, 2000  Küttner Plundergold  Times & Education, 2000  Getty O2  Kodak Creative Techniques  99 Stadtlandschaften2000  Camera obscura, Lille, 2000  Getty urban  an Magazine

Thomas Gerwers, Profifoto: Thomas Kellner, Architektur Tableaus, 2000

Gerwers, T., 2000. Thomas Kellner. Architektur Tableaus. In: Profi Foto, No. 1, January/February 2000. p. 16-23.

 

In allen Laendern und Staedten gibt es repraesentative Gebaeude, die uns bekannt sind und massenhaft fotografiert werden. Staedte, Laender, ganze Kulturraeume werden ueber solche Zeichen von sakralen oder weltlichen Gebaeuden, wie dem Eiffelturm in seiner simpelsten Formreduzierung, codiert. Meist sind sie zu einfachen Zeichen geronnen. Brauchen wir noch ein Bild vom Eiffelturm oder vom Big Ben? „Ja!“, meint der Siegener Fotograf Thomas Kellner, „aber eines, das der reduzierten Zeichenhaftigkeit trotz unendlicher Ansichten entspricht.“ Es geht ihm dabei um Bilder der Gebaeude, die wir in jedem Kurzreisefuehrer finden: Koelner Dom, Reichstag und Brandenburger Tor, Tower Bridge und Big Ben, den schiefen Turm von Pisa, den Papstpalast und Pont Neuf in Avignon. Ausgehend von der Begrenzung der klassischen 12er-, 24er-, 36er- Films durch seine Laenge, hat BFF-Juniormitglied Thomas Kellner sich diesen Repraesentationen genaehert, in dem er sie spielerisch aufloest, dekonstruiert, fragmentiert und sie so wieder als „Zeichen“ oeffnet. So entstehen kleinformatige Tableaus mit 12, 24 und 36 Bildern, genauso wie groesserformatige Tableaus aus 12x12, 24x24 und 36x36 Bildern. Die Referenzgroesse Film bleibt Bestandteil des Bildes. Thomas Kellner: „Das massenhafte Fotografieren dieser nationalen oder urbanen Zeichen findet sich wieder in der Massenhaftigkeit der Aufnahmen in einem Tableau. Die Multiplizierung dessen, was wir sehen, entspricht Blickbewegungen, mit denen wir uns das Ganze ueber Details erschliessen. Diese Zeitlichkeit bleibt in der Gleichzeitigkeit der Bilder nebeneinander fuer den Betrachter erhalten. Genauso bleibt der Bildgegenstand wiedererkennbar, gewinnt jedoch durch seine Aufloesung eine neue bildnerische Form, in der die gedankliche Zeichenhaftigkeit erfahrbar ist.“ Das Einzelbild wird Pixel, der Film Raster und das Gebaeude wieder als offenes Zeichen erfahrbar. Konstruktion und Dekonstruktion sind genauso Bestandteile der Arbeiten wie Methoden der Collage und der Dècollage. Die Vielzahl der Bilder und der Filme lassen einen Zeitraum erscheinen und ruecken in die Naehe eines Films – fotocineastisch.

 

(Thomas Gerwers, aus: Profifoto, 1/00, Duesseldorf, Germany, 2000)


>>> cover image Big Ben 1999