Solo Exhibitions

Dancing Walls

Thomas Kellner fotografiert von Regine Wenzel 2008-01

January 25 - February 24, 2008
Art Galerie, Siegen, Germany

Siegener Zeitung 2008-01-21

Tanzende Wände voller Poesie

Siegener Fotograf Thomas Kellner legt neues Buch vor

 

gmz Siegen. Poetisch sind diese neuen Arbeiten von Thomas Kellner, dem in Siegen arbeitenden, international tätigen Fotokünstler. Poetisch, sehr konzentriert, ruhiger als manche seiner früheren Arbeiten wirken diese »tanzenden Wände«: »Dancing Walls« heißt das neue Projekt, das jetzt in Buchform vorliegt (gedruckt im Haus Vorländer), der Entwurf stammt vom Künstler in Zusammenarbeit mit inspirit – graphicbureau (Thorsten Junge und Marc Babenschneider). Eindrucksvoll leuchten die, wie man unschwer erkennen kann, ursprünglich großformatigen Bilder von dem schwarzen Papier, laden zum visuellen Gang durch die Bildwelt ein, die Thomas Kellner da entfaltet hat.

 

Thomas Kellner scheint sich, so der Eindruck, der beim Blättern des sehr gelungenen und ansprechend gestalteten Kataloges entsteht, auf den Weg »nach innen« zu machen. Das spiegelt sich auch in der Motivauswahl wider, denn er zeigt Innenhöfe (wie den neuen Innenhof des British Museum in London, der Anstoß zur Innenraumserie gab), Innenräume, Treppen, Säle und Bibliotheken. Auch eine Turbinenfabrik aus Deyang ist dabei. Die Dekonstruktion scheint thematischer begründet als bislang, als formale Aspekte stärker im Vordergrund standen. Hier, in diesen Arbeiten, versetzt er beispielsweise »nur« die Treppe in große Schwingung, nicht den gesamten Raum, so dass dem Betrachter die architektonische Orientierung weitestgehend bleibt, er aber erlebt, welche visuelle Energie in der Architektur steckt! Er entdeckt, wie die Stufen tanzen, wie die Wände die Bewegung der Schritte aufnehmen (z.B. im Palazzo Doria Tursi in Genua), wie das Dach sich dem Betrachter »entgegenneigt« (Hearst Tower New York). Der Betrachter erlebt aber auch, wie die tanzenden Bilder seinen Blick auf das Zentrum der architektonischen Aussage lenken, z.B. in der Kathedrale, in der sein Blick unwillkürlich von dem konzentrierten Licht angezogen wird, das Thomas Kellner fotografisch verdichtet hat. Man schaut nach oben – eine fast theologische Aussage der Architektur, die Kellners »Fokussierung« bewusst macht.

 

Die Ironie, wie es Alison Nordström (Kuratorin des George Eastman House, International Museum of Photography and Film in Rochester, New York) in ihrer Einführung nennt, die Distanz zum monumentalen Objekt, das mit seiner Größe beeindrucken will und muss (Macht funktioniert eben nicht ohne Darstellung), bleibt allerdings erhalten, allein durch die Auflösung der scheinbar so festen Strukturen durch das Bild. Sie wird nur in den neuen Arbeiten durch eine sich aus den Strukturen selbst ergebende, also inhärente Infragestellung »verfeinert«. Sehenswert! Vom 25. Januar an sind die Arbeiten in der Siegener Art Galerie zu sehen, anschließend touren die Bilder nach Houston, Saarbrücken, München, Chicago und Köln.




Siegener Zeitung 2008-01-25


Ruhig – obwohl bewegt
Siegener Fotokünstler Thomas Kellner zeigt »Dancing Walls« in der Art Galerie
 
zel Siegen. Fast zwei Stunden hat Thomas Kellner gebraucht, bis er für die Aufnahme im Nationalmuseum in Mexico City seinen Standpunkt gefunden hat. »Ein Zentimeter entscheidet«, sagt der Siegener Fotograf. Entscheidet über die Komposition des Bildes, darüber, ob er den Treppenpfosten und das Fenster und die Linien und Kurven der majestätischen Treppe, die schon oft in Hollywoodfilmen als Kulisse diente, in seinem Bild vereinen kann. Er konnte. Und wie er selbst seinen Standpunkt gefunden hat, bietet er dem Betrachter seiner Arbeiten vermehrt Fixpunkte an, in denen noch alles »in Ordnung«, unzerstört ist, bevor der Blick den gesicherten Halt verlässt und die Architektur in Bewegung gerät – durch das gezielte Verkippen der Einzelaufnahmen.
Die Mauern beginnen zu tanzen – »Dancing Walls« heißt folglich die Ausstellung von Thomas Kellner in der Siegener Art Galerie von Helga Oberkalkofen, die heute um 19 Uhr eröffnet wird. Seit den Genueser Palazzi (2005) bewegt sich der Siegener Fotograf ins Innere architektonischer Ikonen, immer wieder fasziniert von Treppen (wie einst M. C. Escher), etwa der im George-Eastman-House in Rochester, New York (hier wurde der 35-Millimeter-Film erfunden!) oder der komplett vergoldeten in der Hauptpost von Mexico City. Prunkvoll auch seine sehr intime Aufnahme im Schlafzimmer der Königin Carlotta im Schloss von Chapultepec, die sich in Gold und Türkis eingerichtet hatte. So dicht dran war Kellner selten – wiewohl er selbst sagt, dass er das Zimmer nur von der Absperrung aus fotografiert hat und sich nicht in den Raum bewegen durfte. Im großen Stil hingegen hat sich Thomas Kellner der Basilica Guadeloupe in Mexiko angenommen. Ein breites, irdisches Fundament bilden die Besucher in meditativer Ruhe. In Bewegung geraten Fahnen, die Orgelpfeifen, die vielen, vielen Kronleuchter – bis über allem ein fast göttliches Licht erstrahlt.
Den neuen Hearst Tower in New York, wie die Glaskuppel des British Museum in London, die Kellner 2005 fotografierte, nach einem Entwurf des Stararchitekten Sir Norman Foster erbaut, durfte Kellner zusammen mit sechs weiteren Fotografen für ein »sehr schickes« Mappenprojekt von innen aufnehmen. Fosters in sich strukturierter Glasaufbau spielt bei Kellners Arbeiten weniger eine Rolle, ihm ging es mehr um den Aufbau, die Struktur des Gebäudes, das auf einem alten, fünfgeschossigen, entkernten Fundament ruht, von dem aus riesige Stelzen den neuen Wolkenkratzer tragen. Seine sechs Aufnahmen des Hearst Towers hat der Fotokünstler – zusammen mit seinen Skizzen – in einer exklusiven Mappe zusammengestellt.
Zum 200-jährigen Bestehen des Boston Athenaeum, einer der größten und ältesten Privatbibliotheken in den USA, hat Thomas Kellner eine Serie von 20 Aufnahmen geschaffen – eine davon ist in der Siegener Ausstellung zu sehen, weitere in dem bei Vorländer gedruckten Katalog »Dancing Walls 2003-2006«, das zur Ausstellung erschienen ist (wir berichteten). Die allesamt quadratischen Arbeiten werden im nächsten Monat im Boston Athenaeum gezeigt, auch dazu wird ein Buch erscheinen.
In der Siegener Ausstellung (bis 24. Februar) sind als Extra vier Aufnahmen zu sehen, die während der China-Reise der Arbeitsgemeinschaft Siegerländer Künstler (ASK) entstanden sind. Beeindruckend vor allem: die Chinesische Mauer. Auch hier bietet Kellner wieder einen sicheren Stand an, von dem aus der Blick ins Tanzen gerät – eine weniger spektakuläre Arbeit als die früheren Außenaufnahmen architektonischer Monumente, ruhig, obwohl bewegt, noch immer ironisch gebrochen und daher von einiger künstlerischer Größe.

Giessener Anzeiger 2008-01-26

Architektur in kubistischen Fotografien

Thomas Kellner zeigt "Dancing Walls" in Siegener Art Galerie - "Neue Sehbilder" von rhthmischer Musikalität

 

Von Rüdiger Oberschür

SIEGEN. Tanzende Wände? Was kann als Ausstellungstitel damit gemeint sein? Noch dazu, wenn es sich bei den Exponaten um Architektur-Fotografie handelt. Kommt der Name des Fotografen mit ins Spiel, fällt die Auflösung nicht schwer. Thomas Kellner bringt seit fast zwei Jahrzehnten Wände, Türme, Gebäude, Plätze und Fassaden mit seinem de- und rekonstruierenden Raster-Ver- fahren zum Tanzen.


Was beim gefeierten Andreas Gursky die Collage humaner-materieller Masse ist, wird in Kellners architektonischen Abbildern zu urbanen Puzzles der Metropolen der Welt. Sein Verfahren ist der visuelle Verfremdungseffekt. Kellner zerlegt Wahrzeichen in Pixel, das Altbekannte und zigfach Gesehene in Bildpunkte und setzt diese im Sinne des Originals wieder zusammen. Gerade so ermöglichen Kellners Fotos einen neuen Blick auf das visuell Abgenutzte, werden zu ,,neuen Sehbildern", wie Kellner es selbst nennt. So zeigt auch seine neueste Ausstellung ,,Dancing Walis" in der Art Galerie Siegen einen Querschnitt der zwischen 2003 und 2006 entstandenen großformatigen Farbfotografien von Innenräumen prominenter architektonischer Monumente. Bei den Arbeiten handelt es sich um eine individuelle Auswahl höchst künstlerisch arrangierte Fotomontagen. Ihre vordergründig kubistisch anmutende Erscheinung ist durchdrungen von rhythmischer Musikalität, die Kellner selbst als ,,Vibration" oder tanzender Blick" beschreibt. Die gesamte Werkgruppe durchziehende Schwingungen fordern den Betrachter zum visuellen Tanzpartner auf.


Am Anfang der Werkgruppe ,,Dancing Walls" steht die programmatische Arbeit ,,British Museum" von 2005, die in ihrem kaleidoskopisch zergliederten Bildaufbau das architektonische Projekt ,,Great Court British Museum" des bekannten britischen Architekten Norman Foster kongenial umsetzt.


Weitere Höhepunkte der Werkserie bilden die Reihe Gold glänzender Innenansichten Genueser Palazzi aus dem Jahre 2005, die pars pro toto auf ein Gesamtbild der Stadt entwerfen. Daneben steht die jüngere Einzelarbeit „Boston Athenaeum" von 2006, die nicht nur das architektonische Vokabular des Außenbaus reflektiere, sondern erneut mit dem Motiv des Treppenhauses eine traditionsreiche Metapher aufgreift, wie es seitens der Galerie heißt. Statt verfestigt, erscheinen die Bauwerke in viele einzelne Fragmente zerlegt, die in ihrer Gesamtheit zu einer neuen Gestalt gefügt werden.


Dabei greift, wie Alison Nordström (Kuratorin für Fotografie am New Yorker George-Eastman-House) bemerkte, eine vordergründige Deutung der Kellnerschen Arbeiten als kubistisch-fragmentarische Montagen zu kurz. Vielmehr verhandeln sie medienreflexiv die Geschichte ihres Genres. Entscheidend sei, dass es sich bei den großformatigen Farbfotografien um Kontaktabzüge handelt, die sich aus den zusammenmontierten, fortlaufenden Filmstreifen des Shootings aufbauen. Einige Exemplare der ,,Dancing Walls"

sind aus 900 Einzelaufnahmen, ergo 25 Filmrollen, komponiert. Damit beginne der konzeptuelle Prozess bereits im Vorfeld des Einsatzes der Kamera, die Bildzerlegung findet zuerst im Kopf des Künstlers statt.


Mit subversiver Ironie führt Kellners Architekturfotografie dem Betrachter weder postkartentaugliche Erinnerungsbilder der Monumente vor Augen, noch zeigt sie dokumentarische Belege einer vollkommenen Gestalt.


 Thomas Kellners Arbeiten sind wohl gerade deswegen den vergangenen sieben Jahren in zahlreichen Ausstellungen namhaften Galerien Europas und den USA, in jüngerer Zeit zudem an verschiedenen Orten in China gezeigt worden. Darüber hinaus ist der Künstler, der im

Wintersemester 2003/04 am Gießener Institut für Kunstpädagogik eine Gastprofessor inne hatte und einige seiner Fotoarbeiten im Neuen Kunstverein zeigte, als Sachverständiger für Fotografie, als Kurator und Initiator des jährlich in seinem Atelier stattfindenden ,,photographers:network" tätig.

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Die Siegener Ausstellung läuft noch bis zum 24. Februar. Öffnungszeiten

donnerstags und freitags von 14 bis 19 Uhr und

nach Vereinbarung. Telefon: 0271-33 96 03.

Weitere Infos im Internet:

www.artgalerie-siegen.de

www.tkellner.com


Westfalenpost 2008-01-28

In der Art Galerie tanzen die Wände


Siegen. (mku) Er hat in London fotografiert, im Britischen Museum, im Bostoner Athenaeum, in Mexico, Chicago und im Hearst Tower in New York. ...
... Das Ergebnis ist jetzt - teilweise - unter dem Titel "Dancing Walls" in der Siegener Art Galerie (Fürst-Johann-Moritz-Straße 1) zu sehen.
Thomas Kellner gehört zu den renommiertesten Fotografen des Siegerlandes. Die neue Ausstellung, die in diesem Jahr noch in Houston, Saarbrücken, Chicago und Köln zu sehen sein wird, zeigt seine internationale Bedeutung und gleichzeitig einen faszinierenden Einblick in die Werkstatt des Künstlers. Er hat Innenansichten bedeutender architektonischer Räume fotografiert, aber nicht etwa durch einfaches "Draufhalten mit der Kamera". Kellner zerlegt das Bild in viele Einzelteile, die Arbeiten bestehen aus zehn bis 25 Filmrollen, die - übereinander angeordnet - die gesamte Ansicht ergeben. Dabei verändern sich die Kamerawinkel und -positionen von Einzelbild zu Einzelbild geringfügig, das Objektiv schwingt hin und her, dadurch ergibt sich letztlich der Eindruck der "tanzenden Wände", die der Ausstellung den Titel gegeben haben.
Die Technik hat Kellner aus früheren Experimenten mit der Lochkamera abgeleitet, ursprünglich beschäftigte er sich mit Außenaufnahmen. Die sind auch noch nicht völlig ad acta gelegt, wie die Werke beweisen, die auf der Chinareise mit Landrat Paul Breuer vor einigen Monaten entstanden. Ein Tempel oder die Chinesische Mauer sind da zu sehen. "Das passte natürlich vom regionalen Zusammenhang", erklärt Thomas Kellner, warum die Ausstellung in Siegen auch diesen Aspekt seiner Arbeit zeigt.
Alles zusammen ist bis zum 24. Februar zu sehen, bereits am 23. Februar eröffnet "Dancing Walls" in der John Cleary Gallery in Houston. "Jeder sucht sich einen Teil der Arbeiten aus, die im Buch zu sehen sind", sagt der 42-jährige Künstler. Das Buch trägt ebenfalls den Titel "Dancing Walls" und gibt auf mehr als 80 Seiten einen schönen Überblick der gesamten Serie, die zwischen 2003 und 2006 entstand.