Solo Exhibitions

Dürener Illustrierte, Stadtmagazin Düren und Umgebung #2|2010
Dürener Illustrierte, Stadtmagazin Düren und Umgebung #2|2010

Farbwelt 135-36

Kunstpreis des Kreises Dueren 2009
Deutsches Glasmalerei-Museum, Linnich, Germany
March 13 - April 25, 2010

Nicht der Apparat, der Mensch macht’s

Zu einer Weltbild-Ausstellung von Thomas Kellner

Das bilderreiche Arbeitsprinzip von Thomas Kellner, eines global artist, führt zu neuen Erfahrungen des Sehens, der Bildwirklichkeit und der Weltsicht. Er ist ein Künstler, der in einer unverwechselbaren Formensprache innovative Elemente der Bildkonstruktion und eine überraschend neue Art von Poesie zusammenführt. Beginnen wir mit einer, sein Schaffen berührenden, erweiterten Fragestellung.

Ist uns eigentlich klar, wie viele Tausend Bilder wir täglich sehen? Täglich, das bedeutet ja 24 Stunden am Tag und in der Nacht, von denen wir durchschnittlich 15 Stunden lang die Augen aufhaben. Und was verstehen wir unter einem Bild? Nun, ein Bild ist explizit eine durch Rahmung oder andere Heraushebung formal definierte Fläche z. B. als Wandbild, als mobiles Bild auf der Wand, als projiziertes Bild, als Werbeposter, Verkehrsschild, Fernseh-Bild oder Handy-Display. Ja, auch ein Fenster für den Blick auf das gewohnte Landschaftsbild, ein Spiegel für die Selbstbetrachtung, für das  tägliche Selbstporträt, ein Schaufenster mit seiner Auslage und dem Spiegeleffekt zugleich, ein Rückspiegel im Auto für den Überblick sind in diesem Sinne Bilder. Wenn jeder einmal an nur einem Tag für sich persönlich genau registriert, wie viele Bilder ihm begegnen, wird er leicht vierstellige Zahlen erreichen. Wir nennen diesen aktuellen Zustand „Bilderflut“ bzw. „Bilderschwemme“, er trennt uns massiv von jeder Vergangenheit. Freilich sieht man – neben nächtlichen Traumbildern - während der Zeit des Wachzustandes auch rahmenlose Bilder wie Natur und weiten Himmel, Menschen und das Geschehen ringsum, man liest Texte und geht seinen Tätigkeiten nach, nicht immer sieht man also nur definierte Bilder. Aber auch das gehört dazu: Alles Sichtbare ergibt in unseren Augen ein in jede Richtung erweiterbares Bild, alles Gesehene ist stets nur ein Ausschnitt der Wirklichkeit und zwar ein individuell und subjektiv gesehener. Daraus ergibt sich auch, dass diese Art Bilder von Mensch zu Mensch unterschiedlich ist. Und noch unterschiedlicher sind die Assoziationen, die Erinnerungen und Mutmaßungen, die diese Bilder anstoßen. Wir können diesen grundsätzlichen Fragenkomplex hier nicht ausweiten, aber die einleitende Fragestellung ist wichtig, denn bei dem, was wir hier sehen, geht es um die Wahrnehmung schlechthin und um definierte Bilder, die pars pro toto sowohl die Welt als auch die Weltsicht betreffen.



Was sehen wir eigentlich in dieser Ausstellung?
Das ist eine Kernfrage, die man sich zu Beginn eines Ausstellungsbesuches generell stellen sollte. Eine pauschale Bestandsaufnahme der Exponate, ihres ersten Eindruckes und einer schnellen Einschätzung der jeweiligen Handschrift. Da sind große und kleine Bilder, da sind vertikal oder horizontal orientierte Arbeiten, da sind Werke mit Nah- oder Fernsicht, mit Panoramablicken oder Innenansichten. Insgesamt stehen wir in der Ausstellung und im Katalog, den ich ausdrücklich als ausführlicheres Compendium dazuzähle, nur Architekturaufnahmen gegenüber, seien es Außen- oder Innensituationen. Wir sehen Bilder, deren Objekte uns auf den ersten Blick bekannt sind – wie beispielsweise das Brandenburger Tor in Berlin oder das Capitol in Washington -, aber da sind auch Arbeiten mit Bauten, deren exakte Bestimmung uns zunächst schwer fällt – wie zum Beispiel der Hearst Tower in New York oder die Basilika in Mexiko -. Man nimmt beim Rundblick prima vista einen ständigen Wechsel bekannter und unbekannter Gebäude wahr. Und man bemerkt nebenbei, dass man in der ganzen Welt – von Südamerika bis Ostasien, von den USA bis Europa – unterwegs ist. Dass das Alles keine Reisereportage ist, sondern aufwendig gestaltete Fotokunst, hat man dabei schon längst bemerkt. Denn neben den Inhalten registrieren wir auch bereits ein Charakteristikum dieser Kunst. Wir sind nämlich von einer beschränkten Anzahl von Kunstwerken umgeben, aber zugleich auch von vielen Tausenden Aufnahmen. Insofern zitiert die Kunst Kellners die zeitgenössische Bilderflut, geht aber ordnend, analytisch und planmäßig damit um. Wir halten fest, dass eine jeweils unterschiedliche Vielzahl von Einzelfotos zu einem Gesamtbild zusammengefügt wurde und dass jedes Werk einen bewegten Zustand zeigt. Schon in dieser ersten Betrachtungsphase bemerken wir, dass der Umgang mit der Farbe, also mit den vorgegebenen Koloraturen der Wirklichkeit eigenen Gesetzen zu gehorchen scheint. Dabei belassen wir jetzt einmal die schnelle Bestandsaufnahme der Exponate.

Was fangen wir damit an? Wie können wir dem Künstler über die Schulter schauen?
Dem ersten Eindruck und der affektiven Wahrnehmung, die spontane Registrierung, Zustimmung oder Ablehnung signalisieren, folgt in der Regel die kognitive Wahrnehmung, ein eher analytisches Betrachten. Es fragt nach dem genauen Was? – Wie? und Wozu?
Bei der genauen Betrachtung der Bilder erkennt man ein System und eine konsequente Methode der Bilderreihung, der Bilderstellung und des gesamten Bildaufbaus. Schwarze, horizontal und vertikal laufende, mit Codes und fortlaufenden Nummern versehene Streifen sowie dünnere vertikal angelegte, oftmals scheinbar durchgehende Teilungen machen klar, dass wir es hier mit Filmmaterial und Kontaktabzügen zu tun haben. Die mehr oder weniger umfangreiche Anzahl der Einzelbilder, die Länge der Filmstreifen und die Höhe der Schichtung ergeben sich aus dem jeweiligen Motiv und seiner gestalteten Veränderung. Es gibt entgegen Papier- oder Rahmengrößen bei dieser Bildtechnik keine Normformate, weil jedes Motiv und jede Kompositionsidee eine neue, nur ihnen eigene Bedingung stellt. Je nach Format, Größe, Kompositionsweise und Dichte schwankt die Zahl der Einzelaufnahmen zwischen 35 und rund 1300. Und noch eins stellen wir fest: Kein Bild fällt – so verführerisch es sein mag – aus dem selbst gesetzten Rahmen. In der struktiven Ordnung bleibt der Verlauf der Bilderreihen streng in der Horizontalen, was jedem Bild eine gewisse Sicherheit schenkt, und zwar in der kompositorischen Statik wie in der Lesbarkeit. Man weiß, wie man herangehen muss, zumal man bei den unteren Streifen noch den Zustand erkennt, der uns aus eigenen Besuchen oder von irgendwelchen Bildberichten her bekannt ist. Er ist sozusagen die Basis des Bildaufbaus. Wenn man dann die Bilder nach oben durchliest, findet man alle Bauteile und Details, die zu eben diesem Bauwerk gehören. So erschließt es sich, aber eben nicht in der gewohnten schnellen Pauschalansicht, nicht in der, die wir mit unserem Touristenblick und dem Foto-Termin während der Sightseeing Tour gemeinhin festhalten. Jeder der von Thomas Kellner bearbeiteten Bauten ist anders, ist ein Solitär, ein Unikum, eine höchst individuelle Schöpfung, gleich welche Epoche oder welches Land er anzapfte. Das bringen seine Bilder zum Ausdruck und sie setzen zum architektonischen Unikat die jeweils unterschiedliche Komposition hinzu. Es ist ja nicht so, dass er einzelne Bilder ausschnippelt und in der gewohnten Collage-Technik mischt, sondern eindeutig nachvollziehbar ist seine vollständig transparente Arbeitsmethode der gedrehten Kamera. Nicht die Lage des Bildes im Gesamtaufbau wird gedreht, sondern sozusagen der Blick vor dem Original, er hebt oder senkt sich, er nimmt diesen oder jenen Winkel, er tastet das gesamte Gebäude geradezu minutiös ab. Das ist die Vorgabe für den Betrachter, dem hier grundsätzlich zwei Wege der Wahrnehmung zur Verfügung stehen: Kennt er oder erkennt er den Bau bereits, kann er seine Kenntnis beim Detailstudium überprüfen und schärfen, ist ihm der Bau zunächst noch unbekannt, so kann er ihn bei genauem Durchlesen bestens kennen lernen. Und durch viele Details kann sich am Ende sogar die Identifizierung des Gebäudes, der Brücke, der Mauer ergeben. So kann das aufwendige und sicher oft auch sehr anstrengende Foto-Shooting des Künstlers in der akribischen Bilddurchsicht der Betrachter sein Pendant finden. Thomas Kellner beteiligt auf diese Weise die Ausstellungsbesucher und Katalogleser an seiner Arbeit, weckt Neugier und schafft durch Detailkenntnisse eine eigene Art von Betrachterkompetenz. So wird sich auch dem Uneingeweihten beispielsweise beim genauen Studium des Bildes „Stonehenge“ schnell erschließen, dass es sich hier weder um Bauteile noch um moderne Skulptur handelt, sondern dass diese fantasievolle Erfassung eines Steinensembles und die daraus entstandene Bildform, die ein Nest assoziieren lässt, jenes der körperlichen und seelischen Heilung dienende Heiligtum aus dem zweiten Jahrtausend vor Christus in England meint und auch absolut richtig interpretiert.

Was bedeutet das für seine Handschrift und was sagt uns das?
Alle Arbeiten von Thomas Kellner schaffen nicht Abbilder, sondern mit der Detailwiedergabe von Realität eine neue, eine zweite Schicht von Wirklichkeit, die fast als Identitäts- oder Sinnbild bezeichnet werden kann. Eines wird bei jeder Bildanalyse klar: Das Primat seiner Foto- und Bildkunst liegt auf der Komposition, die jedes Mal einen präzisen Bezug zur behandelten Architektur hat. Man fragt sich immer wieder, was am Anfang seines Arbeitsprozesses steht, ob es die Schaffung einer Bildausbeute oder die geistige Vorstellung des fertigen Bildes ist. Die Werke sind in ihrer konzentrierten Erscheinung ein sicherer Beleg dafür, dass er das Gebäude schon längst kennt, dass er seine Deutungsabsicht schon als Bild im Kopf formuliert hat, dass er weiß, welche Drehung seine Kamera wann vollziehen muss, bevor er das erste Foto schießt. Selbst das Aufsuchen seiner Ziele in aller Welt dient wohl seiner Arbeitsmaxime, das Prinzip mit einer größtmöglichen Variation von Objekten und Formen in Kunstwerke umzusetzen. Da gibt es ja die Brückenbilder, bei denen er naturgemäß den Verlauf und die Überwindung eines Hindernisses im Bilde erkennbar beibehält, aber etwa die Schwingung, den Verkehrsfluss oder die Architektur als Hoheitsformel mit seinen Detailversetzungen fokussiert. Bei einem anderen Thema, nämlich den Innenräumen und der Lichtführung wird die Fähigkeit zu einer stimmigen farblichen Gesamt-Erscheinung sowohl des Gebäudes als auch der Bildkomposition erkennbar. Ob es das geheimnisvoll erleuchtete Colosseum oder die Kathedrale in Mexiko ist, ob es das mexikanische Nationalmuseum oder die Palazzi in Genua sind, immer haben diese Bilder trotz einer geradezu prismatischen Auflösung eine dichte farbliche Atmosphäre. Auch das Spiel mit Silhouetten von Gebäuden und Städten wie etwa der Kathedrale von Brasilia oder der Ansicht New Yorks ist – wie es sich für anspruchsvolle Kunst gehört – von der gelungenen Formfindung, die zugleich Deutung sein kann, bestimmt. Das sieht man beispielsweise an der chinesischen Großen Mauer, die sowohl als Abwehr, als auch als Tiefenverlauf und als im Abbruch befindlich interpretierbar ist. Die Bilder von Thomas Kellner sind immer vieldeutig, liefern sie doch statt des momentanen Abbildes im übertragenen Sinne Abbilder der Geschichte, der Schönheit, der innewohnenden Ornamentik einer Silhouette oder auch der Gefährdung eines Baus oder Ensembles. Es fällt auf, dass in den Bildern ganz selten Menschen vorkommen, und wenn, dann sind es nur Statisten. Aber gerade durch das Verhältnis dieser kleinen Figuren zur riesigen Architektur wird die Leistung des menschlichen Geistes und Planens interpretationsfähig. Aber gleichzeitig schwingt in der Pathosformel solcher Architekturen die immer wieder erlebbare Metapher von Macht und Untergang mit. Dass das ganz nahe beieinander liegt, lehrt uns ja auch jetzt wieder das reale Leben. Das bisherige Schaffen von Thomas Kellner und dessen Ausschnitt  in dieser Ausstellung und dem Katalog zeigen, dass Fotokunst nicht immer die Ikonen der Architektur eins zu eins abbilden muss, sondern dass ihre Stärke noch völlig neue Seiten zeigen kann. Gerade hier im Rheinland, wo die Architekturfotografie von Schmölz über Claasen bis zu den Bechers einen außerordentlichen Reichtum bereithält, kann darauf hingewiesen werden, dass das Konzept und die Kunst von Thomas Kellner einen wichtigen Schritt in innovatives Gelände geht. Sie liefert nämlich dem Zweifel daran, dass die Fotografie das objektive Bild schafft – und gerade in der digitalen Zeit ist das berechtigt -, mit der subjektiven Vorstellung von Vergangenheit, Gegenwart und Perspektive von Architekturen ein neues Argument. Die Welt wird subjektiv immer neu gesehen, sie bedarf deshalb auch stets veränderter Bildformen. Allein am Brandenburger Tor wird ja erinnerbar, dass sein Bild etwa in der Entstehungszeit, in der Kaiserzeit, am Ende des Ersten Weltkrieges, am 17. Juni und bei der Wiedervereinigung jeweils ein völlig anderes war. Das in einem Bilde sichtbar zu machen, nämlich Sprunghaftigkeit, Fragilität und Stolz zu einer Bildformel zu vereinen, ist selten gelungen.

Fazit
Am Beispiel dieser hier ausgestellten Kunst lässt sich konstatieren, dass Künstler wie Thomas Kellner sehen,  planen und komponieren, aber auch intuitiv in Ihrer Handschrift alles richtig machen.
Die Wirklichkeit ist eben mehr als das, was uns das landläufige Foto oder der dem Publikumsgeschmack dienende Bildschirm meist vorgaukeln. Die subjektiven Einstellungen und Kompositionen unseres Preisträgers sind sein Beitrag zur ständig notwendigen Blickerweiterung. Mit den Fotobildern von Thomas Kellner lernt man Architektur anders und genauer sehen, man lernt die Welt besser kennen. Ein Trainingsfeld und Erlebnisparcours für das Sehen und Wahrnehmen, für das Erinnern und Kombinieren ist mit dieser Ausstellung nun frei gegeben.

Prof. Dr. Frank Günter Zehnder

 

 

Pressestimmen:

 

Dürener Illustrierte, Stadtmagazin Düren und Umgebung #2|2010, 6.Jahrgang, ISSN 1860-6040


FarbWelt 135 - 36
Wer die Bilder von Thomas Kellner zum ersten Male sieht, reibt sich möglicherweise zunächst einmal die Augen und fragt sich ,,Was sehe ich da eigentlich?Kann ich meinen Augen trauen?“ So die einleitenden Worte von Prof. Dr. Frank Günter Zehnder bei der Eröffnung der Ausstellung „135-36“ im Deutschen Glasmalereimuseum Linnich. Nachdem der an der Rur aufgewachsene Fotokünstler Thomas Kellner im vergangenen Jahr mit dem 4. Kunstpreis des Kreises ausgezeichnet worden war, ermöglicht der Kreis Düren ihm nun eine Einzelausstellung. Die Zahlenkombination „135-36“ sagt den Digital-Fotografen wenig. Wer jedoch wie Thomas Kellner schon länger als zehn Jahre mit der Kamera unterwegs ist, dem sagen die beiden Zahlen etwas, verkörpern sie doch die Welt der Kleinbildfotografie, die 35mm Film als Basis hatte und pro Spule passten 36 Bilder auf den Film. Genau so viele Einzelbilder latziert Thomas Kellner in der Horizontalen in seine Werke, edes Einzelne zeigt ein Detail des Gesamtwerks. Dabei bezieht Kellner auch die Filmbelichtungen, Nummerierungen und die Perforation in seine Bilder mit ein, er stapelt quasi Kontaktstreifen übereinander. Viele Besucher fanden sich in Linnich ein und der heute in Siegen lebende Künstler feierte bei der Ausstellungseröffnung ein vielfaches Wiedersehen mit ehemaligen Klassenkameraden und Lehrern des Wirteltor Gymnasiums. Der Kunstpreis des Kreises Düren ist mit 5000 Euro dotiert. Er wird seit 2003 alle zwei Jahre verliehen. Zusätzlich erschien jetzt ein Katalog, der das Werk Thomas Kellners zeigt. Die Ausstellung in Linnich ist bis zum 25. April im Glasmalereimuseum zu sehen. Mehr dazu: www.tkellner.com

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Sa, 20. Mär. 2010
Dürener Zeitung / Lokales / Seite 19

Glasmalereimuseum rückt Fotografien ins rechte Licht

In Linnich wurde umgebaut, um Architektur-Aufnahmen des Kreiskunstpreisträgers Thomas Kellner auszustellen

Linnich/Kreis Düren. Bereits im April 2009 hatte der Kreis Düren den in Siegen lebenden, allerdings in Düren aufgewachsenen Künstler Thomas Kellner mit dem Kunstpreis des Kreises ausgezeichnet. Diese Auszeichnung umfasst neben 5000 Euro zur Fortsetzung der künstlerischen Arbeit die gleiche Summe zur Ausrichtung einer Ausstellung und Erstellung eines dazugehörigen Katalogs. Fotografie bedeutet, mit Licht zu malen: Und Licht ist auch in der Glasmalerei bedeutend. Daher schien das Deutsche Glasmalereimuseum in Linnich der geeignete Ort für die Ausstellung. Zwar mussten Hausherrin Dr. Myriam Wierschowski und ihr Team eine Reihe von Umbauarbeiten vornehmen, denn das direkte Licht, das die Glasmalerei zum Leuchten bringt, schadet der Fotografie. Doch es gelang hervorragend, die Fotoarbeiten von Kellner ins rechte Licht zu rücken. „FarbWelt 135-36“ hat der Künstler seine Ausstellung betitelt. Er hat eine ganz eigene Bildsprache entwickelt. „Die Geschichte des technischen Bildes ist von Leica und 35 mm Film geprägt“, erklärt er. Und so hat er diese Filmstreifen als gestalterisches Element in seine Bilder aufgenommen. Auf dem ersten Blick wirkt es, als hätte der Künstler ein Raster über die Fotografie gelegt, doch dann erkennt man, dass es sich um einen großen Kontaktabzug handelt. Sequenz für Sequenz hat Kellner jedes Detail des Bauwerkes festgehalten und zu einem Ganzen zusammengefügt.

Kubismus, Futurismus, Orphismus

Inspiriert vom Kubismus, Futurismus und Orphismus haftet seinen Objekten eine gewisse Ab­straktion an. Weltweit hat der Künstler mit seinen Arbeiten Aufsehen erregt. Zwischen Brasilien und Kalifornien machte er nun Station in Linnich.

Zur Ausstellungseröffnung hieß Landrat Wolfgang Spelthahn die Gäste willkommen. Er dankte vor allem der Sparkasse, die diese Ausstellung finanziell unterstützte. „Wir sind stolz auf Sie, bleiben Sie uns gewogen“, richtete Käthe Rolfink, Vorsitzende des Kulturausschusses des Kreises Düren, das Wort an den Künstler. Sie war glücklich, dass im Kreis eine solche Auszeichnung existiere. „Kunst und Kultur sind mehr als schmückendes Beiwerk, sie sind ein Lebenselixier, auf das man nicht verzichten kann.“ Wierschowski freute sich, einen solchen Künstler in ihrem Haus zu haben. Prof. Frank Günther Zehnder stellte den Künstler und seine Arbeit vor: „Die Wirklichkeit ist mehr als das, was ein landläufiges Foto zeigt. Mit den Fotoarbeiten von Thomas Kellner lernt man Architektur anders und genauer sehen, man lernt die Welt besser kennen.“ (Kr.)