Curatorial Projects

exhibitions

Bild l Architektur
May 6 - September 7, 2018
Studio Thomas Kellner, Siegen, Germany

participating artists: Götz Diergarten, Roger Eberhard, Gudrun Kemsa, Matthias Koch, Thomas Neumann, Josef Schulz,   Gesche Würfel

“Architecture is cult, is mark, symbol, sign, expression.
Architecture is control of body warmth – protecting habitation.
Architecture is determination – establishment of room, environment.
Architecture is conditioning of psychological state”
ALLES IST ARCHITEKTUR (1967)


«Bau» Schrift für Architektur und Städtebau, 23. Jahrgang, Heft 1/2, Wien 1968
Herausgegeben mit der Zentralvereinigung der Architekten Österreichs
Redaktion: Hans Hollein, Oswald Oberhuber, Gustav Peichl
auch in: «Alles ist Architektur - Eine Ausstellung zum Thema Tod»
27. Mai bis 5. Juli 1970, Städtisches Museum Mönchengladbach

 


For quite some time now, the term architecture is omnipresent. Its traditional meaning has fallen into oblivion. Broadly speaking, architecture describes the construction of buildings but the term was never linked to a precise definition. Architecture aims to differentiate itself from “mere building” in order to emphasize the difference between elevated art of construction and purposive construction. However, this classification falls short since architecture is always defined within the aesthetic, technical, economic and political context of its time.
Against this background, it is only natural that the meaning of a certain construction can change over the course of several years. Architecture can be considered a constant in time. In its inherent idea, it is unchangeable, even in the face of decay or expansion. Architecture always represents itself as physical expression of man in an attempt to shape the environment. As a result, contemporary circumstances define meaningfulness and purpose of a building.
Photography adds a new dimension to a building. The artist decides whether s/he wants to present the construction as relict of past days or lay the focus on the altered context in which it stands. In Fine Art Photography the meaning of architecture is extended, changed or dispossessed. The construction no longer stands for itself but evokes emotions and associations. Kochs work “Normandy – Atlantic Wall” elicits a flood of pictures of violence and terror within the beholder and recalls images of the department of the Allies on Normandy´s shoreline. Wuerfels works are equally emotionally challenging in depicting architecture as mark of human oppression. In Schulz´ pictures architecture turns into a symbolic relict of former cult. Eberhard “Shanty Town” transmits the promise of relaxation and comfort of a holiday of the extra class, despite its architectural imitation of Townships of troubled, predominantly black, classes in South Africa. The mineworker villages in Diergarten´s pictures have already served their time. Still, they remind us, as a relic, of the beloved home they once represented. Neumann´s work is proof that architecture performs authorial power and can shape a whole society. Man designs the environment through architecture and architecture affects man and shapes our reality. A stroll through New York City with Kemsa´s images illustrates that architecture define a city´s character and influences our idea of a certain place. The photos capture the aura of the constructions and are successful in transmitting it to their audience. The architecture´s emotional potential is activated through its photographic depiction. Architectural photography combines expression of the building with visual power.

„Architektur ist kultisch, sie ist Mal, Symbol, Zeichen, Expression.
Architektur ist die Kontrolle der Körperwärme - schützende Behausung.
Architektur ist Bestimmung - Festlegung - des Raumes, Umwelt.
Architektur ist Konditionierung eines psychologischen Zustandes“
ALLES IST ARCHITEKTUR (1967)

«Bau» Schrift für Architektur und Städtebau, 23. Jahrgang, Heft 1/2, Wien 1968
Herausgegeben mit der Zentralvereinigung der Architekten Österreichs
Redaktion: Hans Hollein, Oswald Oberhuber, Gustav Peichl
auch in: «Alles ist Architektur - Eine Ausstellung zum Thema Tod»
27. Mai bis 5. Juli 1970, Städtisches Museum Mönchengladbach

 


Seit geraumer Zeit ist der Begriff Architektur allgegenwärtig. So allgegenwärtig, dass seine traditionelle Definition längst in Vergessenheit geraten ist. Im weitesten Sinne beschreibt Architektur das Gestalten und die Konstruktion eines Bauwerks. Doch in seiner Bedeutung klar definiert war der Begriff nie. Gerne möchte sich Architektur von „bloßem Bauen“ unterscheiden. Eine Gegenüberstellung soll den Unterschied zwischen Architektur, als erhabene Baukunst und zweckmäßigen Bauten herausstellen. Doch selbst diese Differenzierung erweist sich bei genauerer Betrachtung als unscharf. Was als Architektur gelten darf, steht nämlich immer in Abhängigkeit von dem jeweiligen ästhetischen, technischen, ökonomischen und politischen Kontext, der den Stellenwert eines Bauwerks in seiner Zeit definiert.
Vor diesem Hintergrund ist es nicht verwunderlich, dass sich die Bedeutung eines Gebäudes im Laufe der Jahre verändern kann. Architektur kann als Konstante in der Zeit betrachtet werden. In ihrer Grundidee ist sie unveränderlich, selbst wenn sie zerfällt oder erweitert wird. Architektur ist immer nur sie selbst, physischer Ausdruck des Menschen in der Gestaltung seiner Umwelt. Folglich definieren die zeitgenössischen Umstände in denen ein Bauwerk steht seine Sinn- und Zweckhaftigkeit.
Durch die Fotografie wird einem Gebäude eine neue Bedeutungsebene hinzugefügt. Es liegt in der Hand des Künstlers, ein Bauwerk als Zeitzeugnis vergangener Tage zu fotografieren oder den Fokus des Bildes auf den veränderten Kontext des Gebäudes zu legen. In der Kunstfotografie wird die Architektur in ihrer Bedeutung erweitert, verändert oder enteignet. Sie vermittelt nicht nur sich selbst, sondern ruft Emotionen und Assoziationen hervor. Kochs „Normandy – Atlantic Wall“ löst bei dem Betrachter eine Bilderflut von Gewalt und Terror aus, die an die Landung der Alliierten-Truppen in der Normandie erinnert. Genauso emotional aufgeladen sind Wuerfels Werke, in denen Architektur zum Mahnmal menschlicher Unterdrückung wird. In Schulz´ Bildern wird Architektur zum symbolischen Relikt ehemaligen Kults. Eberhards „Shanty Town“ transportiert das Versprechen von Erholung und Komfort eines Luxusurlaubes, trotz ihrer architektonischen Nachahmung der Townships von notleidenden, meist schwarzen, Schichten in Südafrika. Die Bergarbeitersiedlungen in Diergartens Bildern haben ihrem ursprünglichen Zweck bereits ausgedient. Als Relikt erinnern sie jedoch immer noch an das geliebte Heim, das sie einst waren. Neumans Arbeiten sind Beweis dafür, dass Architektur autoritäre Macht ausstrahlt, die eine ganzes Gesellschaftsmodell formen kann. Der Mensch erbaut seine Umwelt durch Architektur und die Architektur wirkt auf den Menschen ein und formt seine Realität. So wird uns bei einem Spaziergang durch New York, in Kemsas Werk, vor Augen geführt, dass die Architektur einer Stadt ihren Charakter ausmacht und maßgeblich unsere Idee dieses Ortes beeinflusst. Die Fotografien fangen die Aura der Architektur ein und transportieren diese auf den Betrachter. Durch ihre fotografische Abbildung wird das emotionale Potenzial der Gebäude aktiviert. Architekturfotografie verbindet Expression des Bauwerks mit Ausdruck von Bildgewalt.

thank you to the participating artists for the trust to work with me on this show and thank you to the city of Siegen for the space to show this network

Preis-Link

thank you to innogy for sending out the mail invitation for the show