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Poetics of Light
Die Poesie des Lichts: Lochkamerafotografie
New Mexico Museum of History
27. April 2014 bis 29. März 2015
Eine Ausstellung mit Originalen aus der weltweit größten Sammlung von wunderschönen, irritierenden und mysteriösen Bildern, die auch heute noch zu einer Generation von Bildnissen gehören, die eher etwas von „mach-selber“ und „anti-konsum“, oder  „gegen eine Massenproduktion“- Haltung bewahren.
Bereits vor zwei Jahren stifteten Eric Renner und Nancy Spencer die Sammlung (mehr als 6000 Bilder, 60 Kameras und hunderte von Büchern) des pinhole ressource an das Photo Archiv des Palace of the Governors im New Mexico Museum of History in Santa Fe. Nun zeigt das Museum bis Ende März 2015 in einer überaus geschickten Inszenierung  225 Bilder und 40 Kameras.
Lochkameraaufnahmen bieten meist eine andere Sicht der Realität. Zunächst einmal hält Fotografie nur das Spiel des Lichtes im Wiederschein auf den Objekten fest. Ob es bereits gesehen werden kann oder erst nach der Aufnahme zu sehen sein wird, spielt keine Rolle. Wan auch immer Lochkameras im Spiel sind, scheint die übliche Herleitung der Abbildung von Wirklichkeit eher von der Beschreibung hinüber zur Dichtung zu gleiten.
So zeigt  die Ausstellung selbstverständlich verschiedenste Formen von Kameras, von der umgebauten Puderdose, über das Anatomiemodel (Eric Renner), zur Muschel (Paolo Gioli), selbstgebauten Unterwasserkameras, umgebauten Alltagsgegenständen, bis zum Lochkameraanzug mit 134 Kameras des amerikanischen Künstlers Ben Conrad. Aber selbst die Geräte sind nicht notwendig, wenn der Deutsche Thomas Bachler einen Filmstreifen in den Mund nimmt und nur mit seinen Lippen ein winziges Loch bildet und vor dem Spiegel ein Selbstporträt „küßt“ Und das ohne Lichtmesser, ohne Linse, ohne Sucher, ganz ohne Kontrolle, oder Blick auf den Kamerabildschirm. Der fotografische „Schuß“, als tatsächlicher Schuß aus einer Pistole, die das Loch einer Kamera bildet und den abgebildeten in den Kopf trifft gehört zu den Highlights im schaffen von Thomas Bachler.
Auch die  Wissenschaft kommt in der Ausstellung zu Wort. So zum Beispiel das Los Alamos National Laboratory  mit Julian Mack’s Lochkameraaufnahme der ersten Atomtest von 1945 oder Richard Blake’s Röntgenaufnahme der Sonne. Dem gegenüber hat der in Italien lebende Belgier Dominique Stroobant als erster Lochblenden für Leica entwickelt und den Verlauf der Sonne nicht etwa nur an einem Tage dokumentiert, sondern in Monats- und Jahresbildern dem Himmel und dem Wechsel von Sonne und Wolken sein Morsealphabet entlockt. Eher politisch motiviert waren die Aufnahmen von Markus Kaiser, als dieser kurz nach der Öffnung der Grenzen zu DDR 1990 die Löcher in der Mauer als Lochkameras mit der Sicht nach Ost oder West nutzte. Ganz wissenschaftlich war auch der Kulturpreisträger Dr. Gottfried Jäger an das Thema herangegangen, als er in den 60er Jahren mit den Lochblendenstrukturen auch die Basis seiner Definition der generativen Fotografie legte.  So iist es auch zu verstehen, wenn der Autor einer Lochkameraaufnahme eher als Dompteur, Regisseur oder Geburtshelfer zu verstehen ist, denn er kann den  Prozess der Aufnahme nur lenken, das Bild entstehen lassen, aber nicht den Apparat benutzen zur unmittelbaren Darstellung des subjektiven Selbst.
Für das Museum ist diese Sammlung ein einzigartiges Geschenk in der Einzigartigkeit und den didaktischen Möglichkeiten die sich für die Vermittlung von Fotografie auf diese Weise aus der nun eigenen Sammlung ergeben. In einer Zeit, in der die Frage nach der Individualität und der Materialität des fotografischen Bildes gestellt wird, passen die Lochkameraexperimente zu den Neuerkundungen der alten fotografischen Prozesse, wie Cyanotypien, Kallotypien, Daguerriotypien und vielem mehr, was Künstler in diesen Tagen zeitgenössisch einsetzen.

New Mexico Museum of History &
Palace of the Governors
On the Plaza
Santa Fe NM 87501
www.museumofnewmexico.org