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FotoFest die 2014 Biennale
15. März bis 27 April 2014
View from inside  Zeitgenössische Arabische Fotografie, Video und Mixed Media
Es war eigentlich nicht anders zu erwarten, dass nach dem arabischen Frühling vor drei Jahren sehr bald eine Biennale sich der Arabischen Künstler zuwenden würde. Doch ist den Gründern Wendy Watriss und Fred Baldwin mit der in Deutschland lebenden Kuratorin Karin Adrian von Roques eine Überraschung gelungen. Hätte man hier bei FotoFest doch eine Wiederauflage von worldpress, Perpignan oder ähnlichen Stellen erwartet zu sehen, weit gefehlt. Der Arabische Frühling ist nur an wenigen Stellen tatsächlich das Thema der eingeladenen Künstler geworden. Nach Nazar 2005 ist diese Biennale mit ausschließlich Arabischen Künstlern aus Bahrain, Ägypten, Irak, Kuwait, Libanon, Marokko, Oman, Palästina, Qatar, Saudi Arabien, Vereinigte Arabische  Emirate und dem Jemen eine beeindruckende Schau der Vielfalt fotografischer und filmischer Ansätze.  In ganz Houston gibt es zur Biennale unzählige Ausstellungen in kommerziellen Galerien, öffentlichen Gebäuden und in Museen.  Leider hat das MFA zur Biennale selber keine Ausstellung beigetragen und die vielbeachtete Ausstellung war-photography von Anne Tucker endete bereits vor der Biennale Zeit.
Während der Biennale treffen sich im sogenannten meetingplace, der  größten internationalen Portfolioschau , alle zwei Jahre ca 160 Kuratoren, Verleger, Galeristen und Journalisten mit ca 500 Fotografen, die Ihre Arbeiten vorstellen. In der Ausstellung Discoveries of the Meetingplace stellt FotoFest Houston immer 10 ausgewählte Positionen der vergangenen Portfolioschau vor. In der diesjährigen Schau waren Mariette Pathy Allen New York, vorgestellt von Michael Itkoff, Daylight Books, Carolle Benitah, Marseille, ausgesucht von Ellen Harris, Sammlerin und Kuratorin aus New York, Martin Bogren, Limhamm, Schweden, präsentiert von Dewi Lewis, Dewi Lewis Publishing, London, Calé Merege aus Rio de Janeiro, ausgesucht von Jens Friis, Museet for Fotokunst, Odense, Dänemark, José Guerrero aus Madrid, Spanien, vorgestellt von Natasha Egan, Museum of Contemporary Photography, Columbia College, Chicago, Jun Itoi, Tokio, gewählt von Julie Kinzelman, Kinzelman Art Consulting, Houston, Nate Larson und Marni Shindelman aus Rochester,präsentiert von Lisa J. Sutcliffe, San Francisco Museum of Modern Art, Lais Pontes, New York, vorgestellt von Joanne Junga Yang, Y&G Art, Seoul, Jana Romanova aus St. Petersburg, ausgesucht von Arianna Rinaldo, Kuratorin aus Barcelona und Mariela Sancari aus Mexiko Stadt, ausgesucht von Juan Travnik, FotoGaleria del Teatro, Buenos Aires.

In den Hauptausstellungen gab es jeweils keine besondere Ausrichtung an einem der Orte, sondern eine Mischung und deswegen seien an dieser Stelle nur einige Arbeiten stellvertretend hervorgehoben. In der Eingangshalle eines Hochhauses und in drei ehemaligen Lagerhallen, die heute Künstlerateliers und das neue headquarter von FotoFest beherbergen findet die Biennale statt.
Manche Orte wie der Williams Tower lösen Erinnerungen aus, an dort gesehene Künstler und vergangene Installationen.  Eigentlich ist es  nur die Parterre und Eingangsetage eines Wolkenkratzers, aber sie dient bei jeder Biennale dankenswert als Ausstellungsraum. Unter den vielen dort präsentierten Künstlern waren es vor allem die Landart-Dokumentationen von Tarek Al-Ghoussein und die Arbeiten zur Zensur von Identitäten im öffentlichen Raum von Jowhara AlSaud.
In den Springstreet Studios fielen zunächst die Bilder aus Stempelbuchstaben auf, die einen unmittelbar auf die eher künstlerischen Zugriffe, als die fotografischen aufmerksam machten (Bild Abdulnasser Gharem). Nicht fehlen durften hier Beiträge, die Mekka als einen der wichtigsten Orte der arabischen Welt thematisieren. Die sehr abstrakte Arbeit und Installation von Ahmet Mater mit Magnetstaub ließ Figuren gleich denen eines Giacomettis um den Kubus laufen. Den realen Eindruck erhielt man bei Reem Al Faisal in einer beeindruckenden Reihe von großformatigen schwarzweißen Fotografien, die die Dichte, Dynamik, Spiritualität und Spannung in Mekka zeigen. Auf der nächsten Etage findet man in einemfesselnden Block die Konsequenz der Verhüllung durch die Burga bei (Boushra Almutawakel). Aber die wohl wichtigste Arbeit liefert Lalla A. Essaydi mit zum Teil monumentalen Frauenbildnissen. Frauen in handbeschriebenen Tüchern (Harem revisited) und vor Ornamenten und in Ornamenten eingehüllt aus Patronenhülsen.
In den langen Gängen der Silverstreet Studios gab es eine Unzahl von Videoräumen zu sehen und alle Flure waren durchgehend mit Serien der Arabischen Künstler bespielt. Immer wieder wurden die fotografischen Positionen gerne von rein künstlerischen Installationen unterbrochen, die man sonst eher weniger der Fotografie zugeordnet hätte. Hier kam man aber insbesondere dem Krieg und seinen größten Verlierern, den Kindern in schwarzweißen Bildern von Samer Mohlad näher.
In den Winterstreet Studios macht Maha Malluch mit Scans von Koffern auf die Gefahren dieser Region,die unter ständiger Alarmbereitschaft leidet, aufmerksam. Direkt daneben folgen zersplittert geschnittene Bilder der Künstlerin Camille Zakharia, die ganze Bilder mit dem Skalpell zerlegt, wieder zusammensetzt, aber die Schnitte gleich Splittern oder Wunden offenliegen lässt. Dabei entstehen beeindruckende Gebilde zwischen Netz und Ornamentik.
Neben vielen Ausstellungen, die andere Galerien, Museen und das  Houston Center of Photography (HCP), machen, gab es eine Installation im Station Museum, die hier erwähnt werden muß, da sie neben der Fotoarbeit von Lalla A. Essaydi zu den besten Videoarbeiten der Biennale zählt. In „three love songs” läßt Adel Abedin drei Diven der Musikszene, einmal als Popmusik, einmal als Chanson und als Rocktitel ein von Saddam Hussein in Auftrag gegebene Lobeshymnen auf Arabisch vortragen, ohne, dass die Sängerinnen selber verstehen, was sie vortragen. In dieser Installation von drei Videos wird die Surrealität dieser Regime und der in ihr lebenden Menschen überdeutlich.