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Thomas Kellner ueber photographers:network selection 2008 - women
Thomas Kellner ueber photographers:network selection 2008 - women
Thomas Kellner ueber photographers:network selection 2008 - women
Thomas Kellner ueber photographers:network selection 2008 - women
Thomas Kellner ueber photographers:network selection 2008 - women

Thomas Kellner ueber photographers:network selection 2008 - women

Ende 2007 wurden wieder ca. hundert meiner Kollegen und Freunde weltweit eingeladen, die ich im Laufe der beiden letzten Jahre kennen gelernt habe, an diesem Projekt teilzunehmen. Es sind allesamt meist junge Fotografen, die ich bei Festivals, auf den Kunstmessen und in meinen Galerien kennen gelernt habe. Mit manchem verbinden sich bereits auch schon jahrelange Freundschaften. Es haben sich 48 Fotografen mit 150 Arbeiten für die Teilnahme beworben. Ziel des Projektes ist es ein Netzwerk unter Kollegen aufzubauen und sich gegenseitig zu fördern. Eine sachkompetente Jury aus einem Journalisten (Thomas Gerwers, PROFIFOTO), einem Galeristen (Michael Mazzeo, peer Gallery, New York) und einer Kunsthistorikerin (Irina Tchmyreva, Museum of Modern Art, Moskau) haben gemeinsam mit mir die auszustellenden Arbeiten ausgewählt.
Die Ausstellung zeigt kein bestimmtes Thema, auch wenn sich Überschneidungen mit meinen eigenen Interessen oder der der anderen untereinander ergeben. Jedoch zeigen die ausgestellten Arbeiten die Vielfalt der fotografischen Ansätze, die zeitgleich mit meinen eigenen Arbeiten entstehen. In den vergangenen Jahren dachte ich mehrfach über eine thematische Eingrenzung nach. In diesem Jahr fiel die Entscheidung, den Blick ausschließlich auf Arbeiten von Fotografinnen zu richten. Bei der  Einladung vermied ich dies zu thematisieren, um die Fotografinnen nicht in ihrer  Auswahl der einzureichenden Arbeiten zu beeinflussen.
Die meisten Kollegen traf ich im vergangen Jahren bei Portfoliosichtungen in Brasilien, Houston, Mannheim und Berlin. Die 26 ausgewählten Fotografinnen stammen aus 11 verschiedenen Ländern aus Nord- und Südamerika und Europa.
.Das was sich im vergangenen Jahr als Eine Ruhe in den Bildern thematisierte steigert sich in diesem in eine innere Ruhe, zum Teil in eine Betroffenheit oder Verletzlichkeit. Traurig blickt uns ein vietnamesisches Kind in tiefe rote  Farbe getunkt entgegen, visiert den Betrachter an und scheint uns zu mahnen. Die beiden Mädchen in der Aufnahme von Blake Fitch schauen betreten zur Seite. Gleich in zwei weiteren Collagearbeiten fehlen die Gesichter. Bei April Gertler, einer Collage aus gefundenen Fotos und Zeitungsausschnitten blickt eine Frau betroffen nach unten, bei Ludmila Steckelberg de Santa aus Brasilien ist das verstorbene Kind, einer Aufnahme aus dem Familienalbum der Großmutter, geschwärzt, gleich einem Scherenschnitt. In der photoshop-Collage von Leslie Starobin mit dem Titel: „Portrait of Marek, Lodz 1929 Tel Aviv 2003“ spürt die Fotografin der Geschichte vertriebener Juden nach. Der Verlust des geliebten Sohnes und das  erlittene Leid spiegeln sich in dem gefundenen Portrait und den vom Leben gezeichneten Händen wieder. In den „Händen von Marc Ribout“ einer Handyfotografie von Sara Terry aus den USA kommt eine Ikone der Fotografie, jener Balanceakt auf den Stahlträgern, in Verbindung mit den Händen des Fotografen einem Balanceakt  des Lebens gleich. Schauen wir immer betreten bei Seite? In dem Bild von Betsy Cullen aus den USA blicken gleich alle Menschen in einem Schwimmbecken in verschiedene Richtungen. Der gesenkte weißhaarige Kopf vor beinahe schwarzem Grund von Niki Berg erscheint uns edel, jedoch ist es eine eher ergebende Geste vor der Krankheit Krebs und der Chemotherapie, die die Fotografin durchmachen musste.
Frauen scheinen schon einmal die Einsamkeit zu suchen, oder sich einsam zu fühlen, wie bei Sabine Schulz Blank oder Amanda Calluf. Der Weg scheint in eine kalte unwirtliche Landschaft zu führen (Roberta Holden und Jolana Havelkova)Trotzdem hat  das Leben humorvolle Seiten, wenn uns der Spielzeughase von Meredith Allen anspinkst, eine männliche Figur bei Angeliki Douveri sich an den Kopf fasst oder bei Diana Scherer Frauen plötzlich in Bäumen hängen.
Etwas Einfühlungsvermögen muss der Betrachter der Bilder mitbringen, um die Qualitäten weiblicher Autorenschaft zuerkennen..

>>> photographers:network - selection 2008 >>>

"women"
28.Juni bis 6.Juli 
Studio Thomas Kellner
Siegen, Germany

>>> PROFIFOTO