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21 Juli Siegener Zeitung

Thomas Kellner will griechische Kultur fördern
Siegener Fotokünstler startet Hilfsaktion
Siegen. Der Fotokünstler Thomas Kellner hat alte Drachmen zerlegt und sie zu neuen "Geldscheinen" zusammengesetzt. Deren Verkauf soll u. a. der griechischen Kultur zugute kommen.

bö - Wenn Geld, wie es in dem amerikanischen Filmschlager "Money Makes The World Go Around" heißt, wirklich dafür sorgt, dass die Welt sich dreht, dann müsste dieser Raum rotieren wie das schnellste Fahrgeschäft auf der Siegener Kirmes. Über 4000 Bündel, jeweils aus zehn Scheinchen bestehend, warten darauf, die Welt zu bewegen. Hier packt nicht nur Onkel Dagobert die blanke Habgier. Aber die geweiteten Augen schrumpfen schnell wieder auf Normalgröße zusammen. Die vermeintlichen Banknoten erinnern vom Format verdächtig an Spielgeld und von der Optik an ein zusammengesetztes Puzzle. Optisch ansprechend, leider offensichtlich nicht kaufkräftig.
Hilfsaktion ist nicht auf Deutschland begrenzt

Aber nicht wertlos! Denn die "Geldbündel", genau sind es 4400, sind wichtiger Bestandteil einer originellen, nicht auf Deutschland begrenzten Hilfsaktion. Der international renommierte Fotokünstler Thomas Kellner mit Standort Siegen, nach eigener Aussage überzeugter Europäer, will mit einer spannenden Kunstaktion den Griechen, die sicherlich wegweisende Leistungen für die europäische Kultur vollbracht haben, helfen. Und das mit 44 000 "Geldscheinen" in einem fiktiven Gesamtwert von 44 Millionen. Thomas Kellner hat alte Drachmen "geschreddert" - in ihre Einzelteile zerlegt, trifft es vielleicht besser - und, das macht er in seiner Fotokunst bekanntlich gerne, zu neuen Scheinchen zusammengesetzt.
4400 Geldbündel zu je 10 Euro warten auf Abnehmer

Die fiktive Gesamtsumme von 44 Millionen ergebe sich, so Kellner, aus der Zahl von rund 4,4 Millionen Athener Bürgern. Damit sein "Notgeld" floriert, sucht er jetzt 4400 Partner, die ein von Kellner handsigniertes Zehnerbündel für 10 Euro erwerben. Dieses Geld werde dann, so der Siegener Künstler, folgendermaßen aufgeteilt. Jeweils 2 Euro gingen an das Fotomuseum Thessaloniki, das kretische Museum für Zeitgenössische Kunst und an die griechische Künstlerin Angeliki Douveri. Bundeskanzlerin Angela Merkel soll 1 Euro (im günstigsten Fall also 4400 Euro) für ihre Griechenlandhilfe erhalten, um damit die Schulden der Hellenen zu verringern. Mit einem Euro soll Kellners Kunstwerk "Chaos" mitfinanziert werden, das einen faszinierenden Blick auf die Häuser Athens von oben gewähren soll. Diese Arbeit wird übrigens nach dem Ende der Aktion einen neuen Besitzer finden. Mit einem Bündel des "Notgeldes" erwirbt der Anteilseigener nämlich die Möglichkeit der fiktiven Währung einen Namen zu geben. Der beste Vorschlag wird nach dem Kassensturz im Frühjahr 2013 mit dem Kunstwerk "Chaos" belohnt. 2 Euro, so Thomas Kellner, benötige er für Unkosten und Steuern.
Unterstützung von Kultur zu Kultur

Man darf gespannt sein, wie die Aktion, die von ihrem Initiator europaweit aufgezogen wird, sich entwickelt. Originell ist die Idee allemal, die in erster Linie, so formuliert es Kellner, als Unterstützung von Kultur zu Kultur gedacht ist. Er arbeitet nach eigenem Bekunden mit dem Goethe-Institut in Thessaloniki zusammen, das erst einmal seine Glaubwürdigkeit bestätigen musste, weil die Museen nicht glauben wollten, dass ihnen jemand Geld schenken wolle. Thomas Kellner sieht seine künstlerische Auseinandersetzung mit dem finanziell angeschlagenen Griechenland als symbolischen Denkanstoß und politisches Statement. Weil für ihn die Kultur der Motor einer Gesellschaft ist, setzt seine Unterstützung direkt dort an. Zudem scheint ihm der Gedanke nicht abwegig, den Weg aus den Schulden über den Ausstieg aus dem Euro und eine Notwährung zu versuchen. Notgeld, so schreibt Kellner in den Erläuterungen zu seinem Projekt, werde immer nur als Zahlungsmittel gebraucht und nicht zu Kreditzwecken. Weitere Infos auf der Website tkellner.com. Als Namens-Vorschläge für das Notgeld sind bisher u. a. Omega-Bonds, Syrtos, Drachos oder Zorbas in den Ring geworfen worden.

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