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photographers:network - selection 2004

photographers:network
s e l e c t I o n   2 0 0 4

"our way.....";
oder:
auf meinem Weg, lerne ich seit  vielen Jahren Fotografen und ihre Bilder kennen. Oft sind es jüngere Fotografen, oder zumindest solche, die sich auf einem ähnlichen Weg befinden und ihre Portfolios zeigen, quasi "Klinke putzen". Oder aber man lernt sich auch bei Festivals, in Gruppenausstellungen, bei Eröffnungen in Galerien, oder Museen kennen.  Aus diesen Begegnungen entstehen Freundschaften und Netzwerke, in denen wir uns als Kollegen gerne treffen und helfen. Man begegnet sich in der Regel immer wieder, bleibt in Kontakt per Telefon, E-Mail, per Post, oder gar wechselseitigen Besuchen. Manche Kontakte bestehen schon seit meiner frühen Studienzeit. Immer wieder schaue ich mir Portfolios oder Ausstellungen an.  - Oft verliebe ich mich dabei auf Anhieb in ein Bild.  - Das Fatale daran ist: das Denken an dieses Bild, die Sehnsucht, ist erst befriedigt, wenn das Bild sich in meinen eigenen vier Wänden materialisiert.
Schon in meiner Studienzeit entwarf ich mit meinem Lehrer Jürgen Königs ein Projekt, in dem wir unter Kommilitonen und Lehrenden am Brauhaus der Universität Siegen jedes Jahr Bilder tauschten. Die Brauhaus-Fotografie. Einmal im Jahr konnte ich stolz mit einer ganzen Mappe Bilder nach Hause ziehen, die Neugier und Sehnsucht nach Bildern befriedigen und den Gedanken genießen, dass nicht nur Erinnerungen an eine gemeinsame Zeit blieben, sondern ganz konkret Bilder. Nach dem Studium blieb ich dem Projekt noch einige Jahre treu, bis sich Jürgen Königs 2003 von seiner lehrenden Tätigkeit an der Universität Siegen verabschiedete. So sind bisher 12 Jahrgänge mit ca. 400 Bildern zusammengekommen. Es entstand eine erste kleine Sammlung, die in ihrer Gesamtheit ein Bild meiner Ausbildungszeit ergibt, oder auch mein Umfeld von Bildern, die Auseinandersetzungen, innerhalb dieser Situation des Lernens in der Fotografie in einer bestimmten Zeit, bei einem Lehrer, an einem Ort, zeigt. Die meisten der Teilnehmer arbeiten heute als Lehrer an Schulen, oder in anderen Zusammenhängen. Aber dabei waren auch mein Lehrer, Lehrbeauftragte und Fotokünstler als Gäste und einzelne der damals studierenden Teilnehmer arbeiten heute noch in der Fotografie. Zu vielen pflege ich weiterhin den Kontakt.

Als 2003 meine Entscheidung, nicht mehr an diesem Projekt teilzunehmen, fiel,  tat sich mir eine große Lücke auf. - Bisher hatte ich jedes Jahr mein Verlangen nach Bildern stillen können. Doch nun stand ich ohne organisierten Tausch da und mußte einzelne Bilder mit Kollegen tauschen, was viele Künstler und Fotografen bekannter Weise tun.   -  Künstler, und auch Fotografen sind meist ein fürchterlich nettes aber auch komisches und zu weil kompliziertes Volk. Da kann aus einem Bildertausch leicht eine jahrelange Kommunikation und ein ewiges hin und her werden. Ob es zu dem finalen Tausch dann kommt, ist manchmal ungewiss.
So entschied ich mich, in Anlehnung an das bisherige Tauschprojekt, ein neues, ähnliches Projekt zu entwerfen und besann mich dabei auf mein Handeln in Netzwerken. Und vor allem: wie geht das, wenn ich selber Fotokünstler bin und nicht die finanziellen Mittel habe, um ständig Bilder zu kaufen? Wie konnte ich schneller Bilder tauschen, schneller einer wachsenden Sammlung zu schauen? Mich mit den Arbeiten von Kollegen umgeben? Wie, selber den Käufern um mich herum ein Beispiel sein,  wie eine Sammlung entsteht? Also: Tauschen und den Tausch für die Kollegen und mich attraktiver machen.
So entstand die Idee für photographers:network und ein anderes Nachdenken über die bereits vorhandenen Bilder und wie sich eine Sammlung strukturieren könnte. Im Vordergrund steht das Bild, mein eigenes Umfeld und der Kontakt zu meinen Kollegen. Es gibt bereits meine Sammlung  der Brauhaus-Fotografie, wie schon erwähnt, quasi ein Bild  meiner Ausbildungszeit. Mittlerweile gibt es Bilder meiner Studenten, wie z.B. aus der Zeit meiner Gastprofessur an der Justus-Liebig-Universität Gießen oder Workshopteilnehmern, so dass ein Bild meiner eigenen Lehrtätigkeit entsteht, und wo ich in meinen lehrenden Situationen die Faszination für Bilder weitergebe. Und natürlich bereits eine Unzahl einzeln mit Kollegen getauschter Bilder.
Andere Bereiche, wie meine Vorbilder oder aktuelle künstlerische Positionen, die mich sicherlich beeinflussen, kann ich vorerst nur selten in meinen vier Wänden materialisieren, oder werde es mir vielleicht aus finanziellen oder räumlichen Gründen nie leisten können. Dieser Bereich wird einer Zeit vorbehalten bleiben, wo ich entweder diese Kollegen kennen lerne, sofern sie noch leben, oder mir das eine oder andere Bild erlauben kann. In den meisten dieser Fälle muss ich mich zunächst mit Büchern zufrieden geben, welches aber ohnehin bereits Teil des Gesamten geworden ist, nämlich zu den Bildern auf der einen Seite, natürlich eine Sammlung von entsprechenden Katalogen und Büchern auf der anderen Seite, gehört. Der große Vorteil ist, dass ich bei Treffen mit Kollegen oder in meinen Veranstaltungen nicht nur Abbildungen, sondern auch Originale zeigen, oder gar Studierenden eine komplette Sammlung von Arbeiten Studierender zeigen kann. Es geht also zunächst nicht um Werte, auch nicht um historische oder schon vorhandene kunstmarktwichtige Positionen, sondern um die Bilder selbst und ein Gesamtbild meiner verschiedenen Lebenssituationen in denen ich mich bewege, um die Kollegen und ihre Bilder, die mir wert sind.
Die "selection 2004" ist für mich der Beginn einer neuen Gruppe von Bildern, die in diesem Jahr Arbeiten von 26 Fotografen aus 8 Ländern zusammenführt. Es waren ca. 100 mir bekannte und lieb gewonnene Fotografenkollegen weltweit eingeladen mit mir ein Bild zu tauschen. Aus über 100 Vorschlägen hat eine Jury ( Burkhard Arnold, Galerist, in focus Galerie am Dom, Köln, Thomas Gerwers, Journalist, Profifoto, Düsseldorf, Gerard Goodrow, Kunsthistoriker, Direktor der ArtCologne und Kurator der Visuals Gallery, photokina, Köln) gemeinsam mit mir , die zu tauschenden Arbeiten meiner Kollegen ausgewählt. Mein Bild geht in seiner kompletten Auflage ausschließlich an diese, meine Weggefährten.
Das verbindende Element ist verständlicher Weise nicht ein Thema, keine bestimmte Herangehensweise, sondern das gute Bild, der Kontakt zu meinen Kollegen und eher die Vielfalt der künstlerischen Ansätze. Eine Festlegung, was Fotografie oder künstlerische Fotografie oder Fotografie in der Kunst zu sein hat, macht hier weder Sinn, noch kann es die Entwicklung neuer Positionen  fördern. Es bleiben  Bilder mit/aus den vielfältigen Möglichkeiten der Fotografie. In der Auswahl 2004 kommt Abstraktes und Gegenständliches, genauso selbstverständlich zueinander, wie Inszeniertes und Gefundenes, oder Dokumentiertes und Erfundenes, Analoges und Digitales, oder Experimentelles. Die Vielzahl möglicher Positionen in der Fotografie ist ebenso groß, wie unterschiedliche Strömungen und Positionen in der bildenden Kunst oder kulturelle Unterschiede. Es gilt mir neugierig zu sein und offenen Auges eine wunderbare Welt von verschiedensten Individuen, Künstlern und ihren Bildern zu entdecken und miteinander zu verbinden und vielleicht aktuelle Positionen aufzudecken.
Es entspricht meinem eigenen Denken in Netzwerken und Synergien die Bilder zu zeigen, zu publizieren, meinen Kollegen auf meine Art und Weise zu helfen, Ihnen eine Plattform zu bieten. Umgekehrt entwickelt  sich unmittelbar eine Dynamik  auf der gegenüberliegenden Seite. Meine Kollegen werden mein Bild in ihrem Umfeld zeigen und in ihre Sammlungen integrieren. Einige wollen die gesamte Ausstellung evtl. woanders zeigen (zumindest gibt es Absichtserklärungen bereits für New York und Toronto), oder gar selbst die Idee aufgreifen und das Projekt in dieser Form selber in ihrer Stadt mit ihren Kollegen wiederholen, einen weiteren Knotenpunkt setzen.  Heißt, photographers:network
Thomas Kellner, Siegen im April 2004

In der Ausstellung 2004:
Lili Almog, New York, USA
Stephen Benson, Lake Orion, Michigan, USA
Herbert Boettcher, Bielefeld, Deutschland
Richard Bram, London, Great Britain
Suzette Bross, Chicago, USA
Thomas Brummett, Philadelphia, USA
Francoise et Daniel Cartier, Bienne, Schweiz
Evelyne Coutas, Paris, Frankreich
Abe Frajndlich, New York, USA
Jane Fulton Alt, Evanston, USA
Michael Hallett, Worcester, Großbritannien
Anna Halm Schudel, Zuerich, Schweiz
Jolana Havelková, Kolin, Tschechische Republik
Manuela Hoefer, London, Großbritannien
Tamara Lischka, Portland, USA
David Maisel, Sausalito, Kalifornien, USA
Katharina Mouratidi, Berlin, Deutschland
Marcella Mueller, Stuttgart, Deutschland
Kevin O'Connell, Denver, USA
Pavel Odvody, Darmstadt, Deutschland
Christopher Rauschenberg, Portland, Oregon USA
Elaine Sharpe, Toronto, Kanada
Joachim Storch, Duesseldorf, Deutschland
Nelly Thomas, Langenselbold, Deutschland
Txomin Txueka, Getaria - Gipuzkoa, Baskenland, Spanien
Frank Yamrus, San Francisco, USA





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"on our way....";

Atelier Friedrichstrasse, Siegen

25. Juni  bis  4. Juli 2004

Eröffnung Freitag 25.6.2004 19 Uhr


Öffnungszeiten
Sa/So: 15-19 Uhr
u.n.V.