Curatorial Projects

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photographers:network - selection 2005

„different realities“


Ende 2004 wurden wieder ca. hundert meiner Kollegen und Freunde weltweit eingeladen, die ich im Laufe der beiden letzten Jahre kennen gelernt habe, an diesem Projekt teilzunehmen. Es sind allesamt meist junge Fotografen, die ich bei Festivals und in meinen Galerien kennen gelernt habe und die sich auf einem ähnlichen Weg befinden. Es haben sich 51 Fotografen mit einhundert und fünfzig Arbeiten für die Teilnahme beworben. Ziel des Projektes ist es ein Netzwerk unter Kollegen aufzubauen und sich gegenseitig zu fördern. Eine sachkompetente Jury aus einem Journalisten (Thomas Gerwers, PROFIFOTO), einem Galeristen (Thomas Poller, Galerie Poller, Frankfurt) und einer Kunsthistorikerin (Alison Nordstrom Kuratorin am George Eastman House Rochester USA) haben gemeinsam mit mir die auszustellenden Arbeiten ausgewählt. Die Ausstellung zeigt kein bestimmtes Thema, auch wenn sich Überschneidungen mit meinen eigenen Interessen oder der der anderen untereinander ergeben. Jedoch zeigen die ausgestellten Arbeiten die Vielfalt der fotografischen Ansätze, die zeitgleich mit meinen eigenen Arbeiten entstehen. Oftmals scheint uns die Vielfalt begrenzt, doch in Wirklichkeit ist dies nur eine Frage des Standpunktes, den man bei der Auswahl einnimmt.
In den vergangenen Monaten werde ich zunehmend mit der Frage konfrontiert ob meine Arbeiten in Photoshop entstanden sind. Für mich ein Hinweis darauf, dass der Begriff von Wirklichkeit des fotografischen Bildes beim Betrachter ein Thema geworden ist, dem man sich etwas intensiver stellen sollte. Auf dem Kunstmarkt boomt immer noch ein „dokumentierender“ oder „journalistischer“ Stil und es scheint so, als ob der Stil des fotografischen Bildes dort immer noch synonym für die Abbildung von Wirklichkeit stehen würde. In der Kunst hat man schon vor sehr langer Zeit begonnen zu unterscheiden zwischen Bild und Abbild und auch sowohl den Autor des Bildes, wie auch den Betrachter mit in die Überlegungen zum Kunstwerk und der Bildanalyse mit einbezogen. Bei den ausgesuchten Arbeiten in diesem Jahr fällt ebenfalls auf, dass wir es mit ganz unterschiedlichen Wirklichkeiten zu tun haben. Der Blick in den Boxring bei Vincent Cianni oder die Nachtaufnahmen von Barbara Downs und Astrid Kruse Jensen funktionieren noch als Fenster zur Wirklichkeit. Perspektiven wie bei Sarianna Metsaehuone steil von oben oder durch das Elektronen-Raster-Mikroskop bei Claudia Fährenkemper zeigen uns eine Wirklichkeit, die wir so ohne Hilfsmittel normalerweise nicht erfahren können. Inszenierte Wirklichkeiten via Projektion oder photoshop finden wir bei Chrystel Garipuy oder Véronique Kolber oder transzendente Wirklichkeiten in dem Prediger von Marco Ambrosi oder der Nonne von Lili Almog. Letzteres noch abbildend, aber die projizierten, collagierten Arbeiten von Pilar Albajar, Johannes Hepp oder Leslie Starobin und Luzia Simons eröffnen uns das fotografische Bild nicht mehr nur als Fenster einer uns bekannten Wirklichkeit, sondern zu einem Bildraum, der den Betrachter zu einer anderen, eigenen Auseinandersetzung herausfordert. Gemeinsam ist allen, die ganz eigene Handschrift des Fotografen, die in nur einem Bild schon erkennbar ist.